INAT Zenith Steuerung 2. Stufe

  • liebe Vergaserspezialisten,


    Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Zylinderkopf ist drauf, im Leerlauf läuft der Motor ganz wunderbar. Springt super an, kalt und warm.


    Aber er fährt nicht. Stottert und schüttelt sich beim Beschleunigen und kommt nicht über 50km/h. Wenn man Vollgas gegeben hat unter Last beim Beachleunigen bleibt er bei 2000 bid 4000 Umdrehungen hängen.


    Ich habe den Verdacht es liegt an der Steuerung der zweiten Stufe. Aber diese Steuerung sieht bei mir ganz anders aus als in allen Beschreibungen. Anbei ein Bild, wie es bei mir aussieht, und im Vergleich ein Bild einer Einstellanleitung. Wesentlicher Unterschied: bei mir gibt es eine Kurvenscheibe, in der eine Rolle einen Zwischenhebel bewegt, der wiederum den Öffnungsanschlag der Drosselklappe der zweiten Stufe bildet. Dort auf dem Hebel auf der Drosselklappenwelle der 2. Stufe gibt es eine Schraube, die das Spiel begrenzt. Ich vermute, die Schraube stelle ich so ein, dass die 2. Stufe ganz zu gedrückt wird, wenn die erste Stufe zu ist?


    Aber auch dann ist bei mir auffällig, dass schon bei geringer Öffnung der ersten Stufe sich die zweite Stufe etwas öffnen kann. Ich sehe nicht wie ich das verhindern kann. In allen Beschreibungen steht, dass sich zweite Stufe erst öffnen kann bei Vollgas, egal wie die Unterdruckdose versucht die zweite Stufe aufzuziehen. Das erreiche ich bei mir nicht. Habt Ihr eine Idee? Hat jemand eine Einstellanleitung für die Vergaservariante die ich habe, in der etwas über die zweite Stufe steht?


    Noch eine Beobachtung: wenn ich die zweite Stufe im Leerlauf nur etwas aufdrücke, dann läuft reichlich benzin durch die Düse in den Luftrichter. Also man sieht es richtig "plätschern". Ist das normal?


    Ich freue mich auf jeden Hinweis.

    Grüsse


    Christian


    P.S. das Foto ist meine Variante, die Zeichnung die in meinen Einstellanleitungen gezeigte Variante. Dort gibt es die Eindtellschraube, die ich auf dem Foto markiert habe, nicht.

  • so, ich habe es weiter versucht. Gestänge von Unterdruckdose zur 2. Stufe ausgehängt. Spiel weiter mit der Schraube reduziert. Immer das gleiche. Wenn ich ganz vorsichtig Gas gebe alles gut. Sobald ich mehr gas gebe stockt er. Beschleunigung geht zurück. Dann mal beschleunigung, mal verzögerung. Ein einziges Schaukeln. Immer das Gleiche. Mit außer Betrieb genommen zweiten Stufe und mit 2. Stufe. Zündung war tendenziell etwas früh, habe ich jetzt 10° zurückgestellt. Bei 800rpm genau auf OT. Aber immer die gleichen Symptome. Hat jemand eine Idee?


    Ich will jetzt auf der Zielgeraden eigentlich nicht aufgeben und ihn in die Werkstatt bringen .....


    Grüße


    Christian

  • Hallo Christian,


    Auf den ersten Blick würde ich sagen, dass das Unterteil oder der komplette Vergaser (Rest kaum zu erkennen) nicht zu dem Auto gehört. Ich kenne die Zenith 35/40 INAT bei Benz nur mit dem Aussehen aus der Skizze. Ob die beim 220 so wie bei dir verbaut waren kann ich nicht sagen.


    Die Zenithen wurden auch bei BMW und Opel (evtl. auch bei manchen Franzosen) verbaut. Dort aber mit gewissen Änderungen. Hier wurde in früheren Jahrzehnten gerne mal wild getauscht. Hauptsache Auto lief irgendwie.


    Zum Einstellen: Du hast eigentlich schon das richtige Dokument. Da müsste es auf den folgenden Seiten drum gehen. Wichtig ist auch, dass Zündung und Ventile korrekt eingestellt sind. Ohne Synchrometer tut man sich aber sehr schwer. Optimal wäre noch ein Drehzahlmesser.


    Kurzfassung (wenn ich das noch richtig im Kopf habe):


    - Drosselklappen auf den Wert in der Doku (nach deiner Skizze) einstellen -> Motor starten

    - Leerlauf mit den Leerlaufeinstellschrauben einstellen. AU gibts ja für vor 1969 nicht

    - Mit dem Synchrometer anhand der Drosselklappeneinstellschrauben synchronisieren

    - Verbindungsstange der beiden Vergaser spielfrei einstellen.
    - Synchronisierung nochmal überprüfen.


    Soviel mal mein Senf. Gutes Gelingen!


    Viele Grüße



    Max

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  • Hallo Max,


    Also ich habe sie synchronisiert. Im Leerlauf läuft alles total schnuckelig. Zündzeitpunkt beim Anblitzen zuckelt bei hohen Drehzahlen etwas, ca. +/-5°. Aber richtig schlecht läuft er halt erst unter Last. Auch die zusätzlichen 10° mit der Unterdruckdose kommen korrekt.


    Sobald ich vom 1. in 2. Gang schalte und Gas gebe stottert er. Also schaukelt zwischen Beschleunigen und Verzögern.


    So schaukelt er immer beim Gasgeben bei niedriger Drehzahl


    LG


    Christian

  • Hallo Christian,

    Bei 800 eher 12° vor OT bei Vergasermotoren.

    Wenn es pendelt kann auch die Steuerkette extrem ungleichmässig gelängt sein.

    Hast du die merkwürdige Kniehebelkonstruktiin an beiden Vergasern?

    Beschleunigerpumpen arbeiten einwandfrei?

    Gruß HaWA

  • Hallo HaWA,


    Ja, die Steuerhebel sind identisch für beide Vergaser.


    Zündung hatte ich auch erst auf 10° vor OT bei 800rpm. Sie steht bei 800rpm ganz stabil. Bei hohen Drehzahlen zappelt der Zeitpunkt etwas. Wird aldo der Fliehkraftregler sein. Steuerkette ist neu. Weil der Fliehkraftregler etwas stark eingreift hab ich dann versuchsweise bei 800rpm die Zündung auf die späte Toleranzgrenze gelegt, damit bei 4000 die frühe Toleranzgrenze nicht überschritten wird. Macht im Motorlauf keinen Unterschied.


    Ich denke also nicht dass das das Problem ist. Denn er läuft werder bei hohen noch bei niedrigen Drehzahlen unter Last. Ich komme weder im 3. noch im 4. Gang auf über 50km/h.


    Nochmal zutück zur 2. Stufe. Darf man denn wenn man die 2. Stufe ein winzigen Spalt aufdrückt richtig Benzin in den Luftrichter laufen sehen? Ist da vielleicht ganz allgemein was mit dem Vergaser falsch? Was kann ich da noch überprüfen?


    Ich würde jetzt noch eine dickere Dichtung unter das Nadelventil legen. Eigentlich stimmt die gemessene Position des Schwimmers. Aber virlleicht hilft ja ein etwas niedeigeres Niveau in der Kammer ...


    Grüße


    Christian.

  • Hallo Christian,

    die 2. Stufe kommt normalerweise sehr spät. Wenn die zu früh öffnet fehlt in der 1. der nötige Luftstrom um die gewünschte/benötigte Kraftstoffmenge mitzunehmen.

    Ist in der Fliehkraftverstellung evtl. eine Feder defekt/falsch montiert?

    Wenn da übermässig Kraftstoff in die 2. Stufe läuft würde ich mal prüfen ob die Zumessungseinheit komplett/korrekt montiert ist. Oder evtl. die Belüftungsbohrung der Übergangseinrichtung verstopft ist.

    Beim leichten öffnen ist so lange es nur ein Spalt ist die Anreicherung aktiv.

    Gruß HaWA

  • Hallo nochmal,


    ich habe weiter nach Bildern im Internet gesucht.


    Es gibt offensichtlich auch für den Mercedes zwei verschiedene Steuerungen der zweiten Stufe. Diese Kurvenscheibe wie ich sie habe ist so auch im Ersatzteilekatalog für den 220SB vorgesehen. Aber wie gesagt, alle Beschreibungen beziehen sich auf die andere Kurvenscheibe. Ist meins vielleicht eine frühe Version?


    Zur Verdeutlichung habe ich zwei Explosionszeichnungen angefügt. Wie gesagt - ich habe die Version 2, bei der die Kurvenscheibe die Nummer 898 in der Zeichnung hat, die Beschreibungen beziehen sich auf Variante 1, bei der die Kurvenscheibe die Teilnummer 263 hat.


    Der Wesentliche Unterschied, den ich sehe, ist, dass bei Variante 2 die zweite Stufe leicht öffnen kann, auch wenn Stufe eins noch nicht voll geöffnet ist, während bei Variante 1 die zweite Stufe wirklich fest zugehalten wird.


    Gestern habe ich weiter versucht. Im Wesentlichen habe ich das Niveau in der Schwimmerkammer etwas reduziert, indem ich zwei Dichtungen unter das Nadelventil gelegt habe. Das Maß entspricht jetzt dem Einstellwert für den 230S. Der 220S soll nach Tabelle ca. 3mm höheres Niveau haben ....

    Das half etwas - deutlich mehr Leistung. Aber weiterhin zwei Probleme:


    1. wenn ich nicht sehr vorsichtig Gas gebe, fängt er an zu schaukeln

    2. sehr deutlich im 4. Gang bei über 60km/h: Wenn ich das Gas ganz durchtrete verzögert er, wenn ich Gas wieder etwas zurück nehme, beschleunigt er - aber gefühlt zu wenig. Komme auf knapp 100km/h


    Dieser Punkt zwei: Wenn man bei meiner Steuerung das Gas ganz durchtritt dann wird die zweite Stufe zwangsweise etwas geöffnet und dieser Kanal für den Übergang der zweiten Stufe wird freigelegt. Ob dadurch das Gemisch zu fett wird?


    Membran und Kanal der Unterdruckdose der zweiten Stufe ist überprüft. Geht nicht zurück, wenn ich die beiden Bohrungen in dem Luftrichter zuhalte. Wenn ich den Finger weg nehme geht er langsam zurück.


    Alles verwirrend. Ich denke, ich gebe auf und suche eine Werkstatt, die einen Vergaserprüfstand hat. Kennt da jemand eine gute in oder bei Hannover?


    Christian

  • Hallo Christian,

    das Stottern und Ruckeln dürfte vom ungewollten öffnen der 2. Stufe kommen.


    Wenn diese Version der Betätigungssicherung sich nicht als irgendwie Problembehaftet herausgestellt hätte, wäre sie wahrscheinlich länger verbaut worden und somit verbreiteter/bekannter.

    Die Klappe der 2. Stufe darf nach neinem Verständnis auf keinem Fall betätigt werden bevor die 1. komplett ausgelastet ist.

    Das zu gewährleisten ist mit der Hebelmimik schon bei geringstem Verschleiß nahezu unmöglich.

    Gruß HaWA

  • Hallo Christian,

    versuche erst eimal so zu justieren das die 2. Stufe bis zur Freigabe sicher geschlossen ist.

    Da der Hebel zumindest bei der 2. Stufe final mit der Drosselklappenwelle vereint ist fällt "einfaches umschrauben" aus.

    Du kannst dir aber gerne ein paar Ansichtsteile bei mir abholen.

    Gruß HaWA

  • Hallo Christian, vielleicht hab ich deine Beschreibung über den Zündzeitpunkt falsch verstanden, aber wenn du Gas gibst , dann muss der nicht rumzappeln, sondern mehr auf Frühzündung gehen und bei 3000 Touren etwa bei 30 oder 35 Grad stehen bleiben . Sonst hast du kein Vergaser sondern ein Problem mit der Zündverstellung.

    Gruß Peter

  • Hallo Olof,


    ja, das funktioniert perfekt.


    Weiß jemand, auf welche Länge ich die Zugstangen von der Unterdruckdose zur Betätigung der ersten Stufe stellen muss? vielleicht sind die ja zu kurz eingestellt - denke ich gerade so. Dann wird die 2. Stufe nicht ordentlich zugedrückt weil die Feder in der Unterdruckdose zu wenig Vorspannung hat? Kann wahrscheinlich nicht schaden die mal länger einzustellen - Hauptsache beide gleich, oder?


    grübelnde Grüße,


    Christian

  • Ich kenne mich nur ein wenig mit dem SOLEX PAITA 32 aus.

    Dort ist es so, dass die ganzen Reguliergestänge grob nach Augenmaß eingestellt werden.
    Die Feinjustage geschieht dann über Stellschräubchen am Vergaser um die Gestänge auf "Kontakt" zu bringen
    und die Drosselklappen gerade so geschlossen sind.

    Danach Feinjustage per Einstellschrauben und Drehzahlmesser.


    Grüße

  • Liebe Forumsleser,


    Vielen Dank für all Eure Hilfe!


    Also das mit der Länge der Zugstange war vielleicht der Trick. Ich habe sie 5mm länger gestellt, sodass nun die Feder hinter der Unterdruckmembran die zweite Stufe zudrückt, bis der Unterdruck groß genug ist. Heißt also sie braucht mehr Unterdruck, sprich mehr Strömungsgescheindigkeit in der ersten Stufe. Nu läuft er vie viel besser. Noch nicht perfekt, aber man kann fahren.


    Ich glaube wirklich das hat einen Grund, dass diese Hebelei schnell verändert wurde😀


    Liebe Grüße


    Christian

  • Hallo Christian,

    dann gute Fahrt.

    Vielleicht ist Deine Erkenntnis eine Ergänzung der Floskeln wert?


    Scheint dann ein ähnliches Einstellen wie beim SOLEX PAITA zu sein.
    Erst alle Gestänge grob einhängen, dass alle Stufen zu sind, dann Feinjustage.

    Wie synchronisiert Du die Vergaser?

    Viele Grüße

    Michael

  • Hallo Michael,


    ich habe mir ein Anemometer ausgeliehen. Das misst die Luftgeschwindigkeit. Die ist nicht perfekt konstant über dem Querschnitt der ersten Stufe, aber ich messe an drei Stellen direkt über der geöffneten Starterklappe (natürlich bei warmen Motor) und bilde den Mittelwert. Das mache ich bei 800U/min mit ausgehängter Koppelstange und kontrolliere es dann bei eingehängter bei ca. 2000U/min. Passt recht gut.


    Die Gemisch Schraube drehe ich bis ich das Maximum der Drehzahl finde. Die Drehzahl bleibt konstant über ca. 1/4 - 1/2 Umdrehung der Gemisch Schraube. Ich lege mich dann so ein wenig auf die fettere Seite des Maximums. Ich habe es auch mit den gläsernen Zündkerzen probiert, habe aber den Eindruck, dass es mit dem Suchen der maximalen Drehzahl eher besser geht. Nächste Woche bringe ich ihn zum fein Einstellen in eine Werkstatt mit CO Messgerät. Ich bin ja gespannt, wie viel die dann nachstellen müssen.


    Grüße


    Christian