190c W110 BJ 1965 bei Schietwetter unterwegs

  • Na ja, son bischen Regen. ;) Der stört mich erst, wenn die Scheibenwischer es nicht mehr schaffen, ihn wegzuschieben. Zum Glück kam gerade eine Bushaltestelle mit Haltebucht und kein Bus.


    Aber richtig Schietwetter (auf meiner Schietwetterskala mindestens eine 9 von 10 Punkten) hatten wir auch schon mal. So um diese Jahreszeit rum. Eingefahren in den Tunnel waren wir auf der Alpensüdseite bei strahlendem Sonnenschein und kamen auf der Nordseite bei Schnellfall heraus.



    Die Flosse hatte schon die Winterräder drauf. Der Wohnwagen nicht, denn für den gab es keine. Und das war dann richtig spaßfrei, weil der Eriba auf schräger Fahrbahn – also eigentlich andauernd – anfing seitlich wegzurutschen. Zum Schluss sind wir mit 20km/h über die Straße gekrochen und haben die Höhenmeter rückwärts gezählt. (Inzwischen hat der Touring als Kompromisslösung Ganzjahresreifen.)


    Aber schlimmer geht immer. Diese Fahrt hier endete auf unserem Hausberg. Im Graben. Grrr.




    Die Flosse war zu der Zeit unser einziges Auto und da der öffentliche Nahverkehr zusammengebrochen war bin ich los, meine Frau retten, die mitten in der Knuste in einem mittlerweile eiskalten Bus festsaß.


    Zweihundert Meter von zu Hause entfernt war dann auch für Flosse Ende Gelände, denn unter dem Schnee war die Fahrbahn dick vereist und Ketten hatte ich keine.


    Nach drei Tagen war das Eis abgetaut (zu dem Zeitpunkt sind die Fotos entstanden) und wir haben den Wagen wieder ausgegraben. Aber immerhin, der Motor ist sofort angesprungen.

  • Respekt: Die Scheibenwischer funktionieren tadellos! Das kann nicht jede Flosse von sich behaupten. In den einschlägigen Verkaufsportalen findet man manche Angebote mit geradezu obskuren Scheibenwischerstellungen, die einen erheblichen Abzug vom geforderten Preis rechtfertigen.

    Beste Grüße

    Rüdiger

  • Hallo Denni und yoho und Rüdiger,

    allen Respekt, daß Ihr Euch mit Euren wunderbaren Oldtimern bei einem solchen Wetter raus

    traut. Mein Ponton darf nicht mal bei unsicherem Wetter geschweige denn Regen raus. Ich wasche ihn immer nur mit Kübel, Wasser und ganz weichem Schwamm und er wird dann gleich wieder getrocknet.

    Ich glaube er hat seit Jahren keinen Regentropfen bekommen.

    Naja, vielleicht bißchen übertrieben, aber allein, wenn ich sehe, wie die Lampentöpfe damals gegen Feuchtigkeit geschützt wurden, bin ich mir sicher, daß bei richtigem Regen Alles wochenlang feucht ist.

    Ich bewundere es aber, wenn sich jemand auch traut, diese Schätze für Reisen zu verwenden ...

    Tolle Bilder Danke

    Herzliche Grüße

    Martin

  • Hallo Martin,


    Dein Ponton ist aber auch schöner als es die Flosse je gewesen ist. Vom fabrikneuen Zustand vielleicht mal abgesehen.


    Der 200 D ist Baujahr 1965. Nach der Restaurierung 1994 war der Wagen nicht mal 30 Jahre alt. Also quasi ein Youngtimer. Und es war nie geplant, den nur bei Schönwetter zu benutzen. Das war unser Familienauto.

    Klingt heute ziemlich verrückt und damals war es das eigentlich auch schon.


    Aber auch wenn die letzte Lackschicht nicht mit der auf Deinem Ponton mithalten kann (da liegen Welten dazwischen), bei allem, was niemand sieht, hatten wir uns sehr viel Mühe gegeben.

    Zunächst mal haben alle Hohlräume große Löcher. Maß war das damals noch gängige Fünfmarkstück. Erstens konnte man so das Mike-Sanders gut verteilen. Zweitens läuft Kondenswasser sicher ab.

    Dann sind alle Schweißnähte sorgfältig mit Sika verschmiert.

    Der Lackaufbau ist – ich wage das jetzt, fast 30 Jahre und 400.000 km nach der Restaurierung zu sagen – recht gut gelungen; auch wenn das Finish aus Kostengründen nur durchschnittlich ist.

    An neuralgischen Stellen kam eine Farbe aus einer Dose mit längst unleserlichem Etikett zum Einsatz, bei deren Verarbeitung ich eine Kohlefilter-Maske tragen musste und nicht fragen durfte, was das ist.

    Zum Schluss haben wir etwa 40 Kilo Mike-Sanders in die Hohlräume geblasen. Eine gewaltige Sauerei.


    Aber obwohl die Flosse bis 2013 auch bei Streusalz auf der Straße war, hat es außer Steinschlagschäden keinen Rostbefall mehr gegeben, von Durchrostungen ganz zu schweigen. Dann wurde der U-Schutz rissig, weswegen jetzt regelmäßig Fluidfilm auf die Bodengruppe kommt und Streusalzfahrten wurden eingestellt. Für solche Fälle kommt jetzt ein Kleinwagen aus Rüsselsheim zum Einsatz, der auch bald schon ein Youngtimer ist und sich die Lake deutlich besser wegsteckt.


    Und vor normalem Regen bin ich nicht bange. Der tut nichts. Sieht sogar richtig schön aus im richtigen Licht.


    Gruß Bernd


  • Hallo Bernd,

    Danke für den tollen Report.

    Deine Flosse ist ein wunderschönes Auto. Gerade, wenn man Dein Bild sieht tut es mir in der Seele weh, wenn ich denke, daß dieser Klassiker mal nicht mehr fahren sollte. Mein Großvater hatte ua. diesen Wagen als 190 er Diesel.

    Da hängt für mich viel Kindheit dran. Der 180 D den er zuvor auch hatte riecht und fährt so, als wäre die Zeit hier konserviert.

    Ich finde diese einfachen ehrlichen Autos viel schöner und reizvoller als die "abgehobeneren" Luxusklassen, weil sie viel mehr Sympathie verbreiten.

    Wie oft habe ich von Passanten gehört : .... den hatte mein Vater, Opa, usw auch

    ....... genau mit dem Auto sind wir das erste mal 100 km/h gefahren

    Und immer begegnet man Menschen , die beim Anblick dieser einfachen Autos ein Lachen im Gesicht haben.

    Ich wünsche Dir und Deinem einmalig schönen Sympathieträger Oldie noch viele Jahre auf der Straße.

    Herzliche Grüße

    Martin

  • Moin zusammen,

    tolle Resonanz, Bilder und Report's von Euch allen. Klasse und Danke!!!!


    Alles war sehr gut gelaufen, Wasser perlt gut ab, war im Nu trocken. Im Inneraum kein Wassereinbruch. Wenn ich den 190er so abstelle, kommt zuletzt ein offener Sack Katzenstreu (natürlich geruchlos) in den Fußraum und das Fenster bleibt einen Spalt offen.


    Da es bei uns an der Küste und im Moor häufiger stürmt und regnet, hatte der Vorbesitzer und Freund von mir folgendes gemacht / machen lassen:

    1. Hohlraumversiegelung mit Mike Sander's Korrosionsschutzfett in 2017

    2. Heizungswärmetauscher von Kneesch in 2017

    http://www.kuehler-kneesch.de/about.htm

    3. Innenkotflügel von Lokari für die Vorderachse in 2019. Damit kommt kein Spritzwasser zu den Scheinwerfern mehr.

    https://www.lokari.de/p/innenk…imo-coupe-cabrio-bj-58-67


    Die Innenkotflügel hätte ich selber auch geholt und in meiner Scheune mit Hebebühne eingebaut. Ich habe keine Ahnung ob es auch einen Innenkotflügel für den Ponton gibt?

    Auch ein Ponton kann mal naß werden. Auf dem großen Oldtimertreff in Winsen (Luhe) hatte es auf der AB geschüttet. Aber das macht einem Ponton auch nichts aus (meine ich). Viel stressiger für die Oldtimer ist brutale Sonne, die geht an Dichtungen und den Innenraum. Vor allem bei Oldtimertreffen in 2022 war es so. Salzfahrten sind für mich eigentlich tabu. Bei uns im Flachland wird so gut wie nie mehr gestreut. Aber wenn's nicht anders geht und man ist in den Alpen, na dann ist das eben so.


    Gruß an alle, Denni (Rainer D.)




    Von Stern zu Stern

    Allzeit Gute Fahrt

    :thumbsup::saint:

  • Mensch Bernd, das ist aber ein tolles Foto und ein toller Bericht:thumbup::thumbup::thumbup:

    Von Stern zu Stern

    Allzeit Gute Fahrt

    :thumbsup::saint:

  • Hallo Denni und yoho und Rüdiger,

    allen Respekt, daß Ihr Euch mit Euren wunderbaren Oldtimern bei einem solchen Wetter raus

    traut.

    Liebe Flossenfreunde;


    kleine Korrektur (nur eine Fußnote in diesem Zusammenhang): Meine Flosse wird grundsätzlich nur bei trockenem Wetter bewegt. Und grundsätzlich heißt "es gibt Ausnahmen": Werkstatttermine kann man ja manchmal nicht nach der Wettervorhersage richten. Und gewaschen wird er nie, nur der Staub abgewischt, gelegentlich kommt neuer Lackschutz drauf. Und als ich ihn neu hatte, habe ich erstmal unter die Lampentöpfe gegriffen und dort mindestens 1cm verkrusteten Dreck rausgeholt, ein typischens Rostnest.

    @Denni: Glückwunsch zu deinem tollen 190er, wäre eigentlich auch mein Traum gewesen, allein schon wegen der Blinkwarzen. Ich habe aber nicht mehr danach gesucht, weil u.a.vor teuren Reparaturen der Trommelbremsen vorn gewarnt wurde. Und ein neuer Regler für die Lima kann auch gerne 300 Euro kosten.

    Und letzte Anmerkung dazu: Auf Föhr gibt es einen Oldtimerclub, zu dem offenbar auch ein Wolseley gehört, der vor ein paar Jahren in unserem Urlaub dauernd draußen stand. In der salzigen Nordseeluft wird Rostvorsorge sicher ein besonderes Thema sein.


    Beste Grüße

    Rüdiger

  • Hallo Rainer,


    Innenkotflügel hat die Flosse natürlich auch. Vorne und hinten. Plus einem mit irgendeiner teerartigen Masse gefüllten Kederband, das von innen auf die Schweißnaht des hinteren Radlaufes gedrückt ist, damit die nicht anfängt zu gammeln.


    Allerdings haben sich die Lokaris nach fünfzehn Jahren regelrecht aufgelöst. Wir waren zu der Zeit viel in Skandinavien unterwegs und dort oft auf Schotterstraßen. Und irgendwann hatte der Steinschlag das Aluminium perforiert. Dazu kam Kontaktkorrosion dort, wo die seitlichen Dichtungen mit Stahlklammern im Alublech festgetackert sind.


    Ein Freund hat mir die Lokaris dann in Edelstahl nachgebaut. Bedingung: ich fummele die Dichtungen von den Original-Lokaris runter. Dafür habe ich genauso lange gebraucht, wie er für das Zuschneiden und Formen der Bleche. Die Dichtungen haben wir anschließend nicht wieder getackert, sondern verklebt. Und unter den Blechen ist sehr viel Mike Sanders. Für alle Fälle.


    Jedenfalls muss ich mir um die Lampentöpfe keine Sorgen mehr machen.


    Gruß Bernd

  • Gerade, wenn man Dein Bild sieht tut es mir in der Seele weh, wenn ich denke, daß dieser Klassiker mal nicht mehr fahren sollte. Mein Großvater hatte ua. diesen Wagen als 190 er Diesel.

    Da hängt für mich viel Kindheit dran. Der 180 D den er zuvor auch hatte riecht und fährt so, als wäre die Zeit hier konserviert.

    Hallo Martin,


    ich würde schon gerne mit der Flosse alt werden. Welches Auto hat heute noch so einen perfekten Rundumblick, selbst wenn die Halswirbelsäule nicht mehr so beweglich ist wie mit zwanzig?


    Und ich darf auch mal langsamer fahren als erlaubt, wenn das nachlassende Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen in fremder Umgebung das gebietet. Ist ja schließlich ein Oldtimer. Der kann halt nicht schneller.


    Und wenn es nicht irgendein wild gewordener Politiker verbietet, hoffe ich mal, dass das auch gelingt.


    Das größte Problem ist, dass die Mechaniker, die den Wagen in- und auswendig kennen, genauso alt werden wie ich und das Auto.


    In zwei Jahren macht der Maestro, der sich seit dreißig Jahren um die Flosse kümmert, seine Bude zu. Einen Nachfolger gibt es nicht. Aber ich habe das Versprechen, dass ich für die üblichen Wartungsarbeiten zu ihm nach Hause kommen darf. Da hat er sich schon einen entsprechenden Arbeitsplatz eingerichtet.


    Und größere Projekte, die nur alle vier- oder fünfhunderttausend Kilometer fällig werden, erledigen wir jetzt bald. Bevor wir Hilfspersonal brauchen, um das noch zu stemmen.


    Gruß Bernd

  • Hallo Denni, Bernd und alle,


    Das ist doch schoen die Auto's immer mal wieder auf die Strassen zu sehen. Ich will meine Altbenze auch fuer immer weiterfahren, habe auch nur Angst wegen die Politik. Verhindert mich schon mal noch grossere Investitionen an den Wagen zu tun...


    Aber zum Fahren sind sie gebaut, zum wegstellen will ich kein Auto haben. Ich bereue die Flosse verkauft zu haben (sie kommt jetzt wahrscheinlich nicht mehr auf die Strasse.. war sie nur noch bei mir...)


    Den /8 muss da dann weitermachen, das Neue Modell eben ;-)

    Freude am fahren - Mercedes Benz