W109 Scheunenfund (26 Jahre Standzeit) Hilfe wird erbeten

    W109 Scheunenfund (26 Jahre Standzeit) Hilfe wird erbeten

    Hallo Leute,

    ich bin neu hier und stelle mich deshalb kurz vor. Ich bin 18 Jahre alt und angehender Maschinenbau-Student. Seit Langem interessiere ich mich sehr für Autos allgemein und speziell für Oldtimer.

    Im Mai dieses Jahres bin ich in den Besitz eines 1971er 300 SEL 3.5 gekommen, der seit 1991 sein Dasein in einer Scheune fristete und leider nicht fachgemäß eingelagert war, siehe Bilder. Der Gute hat dementsprechend ziemlich gelitten, vor allem unter Rost und Vogelkot.
    Der Innenraum wurde von Katzen und Flöhen bewohnt, man kann also sagen, ein Scheunenfund, wie man ihn kennt. Ich finde diese Baureihe einfach nur großartig und bewundere das Design sowie die Technik und wollte schon bevor ich diesen hier fand, so einen haben. Dass ich nun so daran komme, habe ich nicht geahnt.

    Ich würde mich zwar als technikaffin beschreiben, doch übersteigt der Umgang mit diesem Auto meine Kompetenzen bei Weitem, weshalb ich nun hier um Ratschläge, Erfahrungsberichte, Einschätzungen und womöglich Anleitungen für die Instandsetzung bitte. Zunächst würde ich gerne wissen, wie man am ehesten den Motor zum Laufen bekommt und worauf man dabei achten muss (ist der 3.5 Liter V8).

    Um euch einen kleinen Einblick zu geben, habe ich mal ein paar Bilder von der Auffindungssituation und dem oberflächlichen Zustand angehängt.

    Ich bin dankbar für alle Ratschläge,
    Levin
    Bilder
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    Hallo Levin,

    Du hattest mich vorhin angerufen und ich habe Dir den Tipp gegeben, Dich hier im Forum mit Deinem Anliegen anzumelden.

    Hier findest Du Leidensgenossen, vor allem aber auch erfahrene Schrauber und Fachleute, die Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen werden.
    Als Elektroniker konnte ich Dir nicht sehr weiterhelfen, daher mein Ratschlag, Dich hier anzumelden.

    Beim Anblick Deiner Bilder denke ich eher an die Titanic...sorry.

    Allein schon Karosseriemäßig wirst Du viel geld in dieses Auto versenken, ob das lohnt?

    Ich würde den Wagen ausschlachten und das Brauchbare verkaufen.
    Vom Erlös dann nach einem besseren Ausschau halten, aber da will ich den profis hier nicht vorgreifen.

    Auf jeden Fall wünsche ich Dir das richtige Händchen

    Peter
    V8 - Die geilste Art, Benzin zu verbrennen!

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    Hallo Levin,
    es wird sicherlich genügend Leute hier geben, die Dir viel Glück wünschen. Auch ich war mal "angehender Student" (der Elektrotechnik) und wenn Du mein Sohn wärst, dann würde ich Dir mit aller Liebe sehr davon abraten. Das ist schon für Profis ein "fragliches" Unterfangen; fraglich bzgl. der Kosten. Da scheint ja ziemlich alles verrottet zu sein ... schmeiß' weg.

    Beste Grüße
    Thomas
    Hi Levin

    Herzlich willkommen!

    Tja, ein 300SEL 3.5 .. das wäre eigentlich ein Traum, und dann noch grün mit Velours und V8 .. hach ... :love: , wenn dieses Fass doch nur den Boden noch hätte.

    Nimm den Zustand unter kritischst-möglicher Betrachtung von jemandem, der sich auskennt, multipliziere alle grosszügig veranschlagten Kosten mit 2 und halte dann noch Reserve bereit. Oder kurz gesagt, Geld und Zeit sollten keine Rolle spielen, wenn du den instandsetzen willst!

    Wenn man die Bilder dieser einstigen Perle sieht ist fast klar, dass da alles neu müsste. Du würdest mit dem Lüftermotor der Heiuzung beginnen (physisch etwa die Mitte des Autos), einen tief 5-stelligen Betrag in die Karosse stecken, für viele Tausender das aufwendige Luftfahrwerk sanieren müssen, für immer noch einige Tausender das Interieur machen lassen müssen, dann den Lack und vielliiecht den Motor, wobei der wahrscheinlich das billigste Problem sein dürfte (Ersatz relativ leicht möglich).
    Das lohnt nicht, es dürfte hoffnungslos sein. Ich schliesse mich meinem Vorredner an. Verkauf das Teil oder lass es als Exponat in ein Museum bringen, such dir einen guten 108 oder 109. Es gibt sie noch, für wahrscheinlich die Hälfte vom Preis, was dich dieser kosten würde.
    Gruß
    Paul
    Vielen Dank zunächst Mal für die schnelle Reaktionszeit von euch!

    Ich hatte schon damit gerechnet, dass ihr der Sache sehr kritisch gegenübersteht und ich kann das auch sehr gut nachvollziehen. Finanziell wird dieses Exemplar sich definitiv nicht lohnen, dessen bin ich mir bewusst. Es geht mir auch nicht im geringsten darum, Profit daraus zu schlagen, sondern vielmehr um das Restaurieren an sich, was ohne Frage eine jahrelange, extrem teure Angelegenheit werden wird.

    Hätte ich besser in meinen Text aufnehmen sollen, aber ich kann mich beim besten Willen von dem Teil nicht mehr trennen. Zu sehr träume ich schon davon in vielleicht zehn Jahren oder mehr mit diesem (ich sollte wohl sagen einstigen) Augenschmaus durch die Gegend zu fahren. Außerdem ist das jetzt in meiner Lage die einzige Chance, dieses Modell zu besitzen, da ich (wenig überraschend) nicht über die finanziellen Mittel für ein besser erhaltenes Fahrzeug dieser Baureihe verfüge.

    Ich wäre euch daher sehr dankbar, wenn ihr mir ein paar Ratschläge geben könntet, unabhängig von der Sinnhaftigkeit des Gesamtprojektes. Selbst wenn ich im Verlauf der Arbeit zu der Erkenntnis komme, dass ich es einfach nicht schaffe, will ich wenigstens anfangen.

    Danke wirklich nochmal, finde es total klasse, dass ihr hier jedem so fachkundig zur Seite steht :)
    Hallo, Levin,

    der ist tot. Lass es. So viele studentische Nebenjobs kannst du gar nicht annehmen, um den retten, vom zeitlichen Aufwand ganz zu schweigen, der dann vermutlich später einmal mit deiner weiteren Lebensplanung kollidiert. Ansonsten einfach einmal selbst fragen, "Wieviel Geld habe ich zur Verfügung?" , Wieviel Zeit habe ich zur Verfügung?", " Welche Räumlichkeiten habe ich zur Verfügung?" "Was kosten die benötigten Teile und Fremdarbeiten?" Und schon ereilt einen die Realität...

    Gruß

    Ulli, der zwei Vollrestaurierungen unter völliger Außerachtlassung wirtschaftlicher Aspekte hinter sich gebracht hat.
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    Hallo Levin,

    aufgrund der Bilder, die ich bis jetzt sehe, würde ich nicht gleich schlachten, wenngleich man sagen muss, daß 109.056er im fahrbereiten (nicht perfekten!) Zustand teilweise relativ günstig angeboten werden. Wegen dem Motor würde ich mir erstmal keine großen Gedanken machen, außer wenn dieses weiße Etwas (mit der offenen Motorhaube) auf den Bildern schon mal Starthilfe gegeben hat, als wenn der 109er gestern abgestellt worden wäre.
    Für so ein Projekt ist entscheidend was man am Ende will. Aus Erfahrung kann ich sagen, daß 109er auch durchaus Spaß machen wenn der Lack nicht wie neu glänzt und Stoßstangen die ein oder andere Delle haben. Auch sehe ich zumindest auf den Bildern nicht, daß die Innenausstattung neu müsste - aber wie gesagt, es kommt darauf an was man will.
    Ich würde wie folgt vorgehen: erstmal das Auto aus der Versenkung holen (Vierkanthölzer an der richtigen Stelle helfen da ungemein), damit das Trumm auch etwas rangierbar ist (sofern die Bremsen frei sind) und anschließend eine umfassende Rostbestandsaufnahme. Das kostet erstmal nichts und dann sieht man weiter.

    Schlachten kann man immer noch und die Erlöse, die dabei rauskommen dürften meist geringer sein, als man vorher erhofft hat.

    Pfleger - nicht Schlachter
    Markus
    Hallo, nochmal,

    aufgrund deiner zwischenzeitlichen Antwort: Unten ist ein Link zum Beitrag über meine damalige Flossenrestaurierung. Die Aktion hat sieben Jahre gedauert und war in jeder Hinsicht reiner Idealismus, weil vollkommen unwirtschaftlich. Flossen im Zustand 1 liegen z. B. bei gut 40.000 € im Wert. Ich habe deutlich mehr ausgegeben. Für dich würde es angesichts Fahrzeugwahl und -zustand noch einmal deutlich teurer werden, zumal die Teilepreisentwicklung mittlerweile inflationäre Züge angenommen hat. Und noch eine Erfahrung habe ich gemacht, ich habe es oben bereits angedeutet: Je länger die Zeitdauer, desto eher kollidiert das Ganze mit veränderten Lebenssituationen. Neben dem Geld der häufigste Grund für abgebrochene Restaurierungen. Solltest du trotzdem anfangen, wirst du sehr bald an einem Punkt ankommen, wo du so viel Geld ausgegeben hast, wie dich ein fahrfertiges Exemplar gekostet hätte, während du ein noch nicht mal halbfertiges Auto hast. Spätestens dann wirst du dir wünschen, dass du es damals ander gemacht hättest.

    Gruß

    Ulli

    Tagebuch Komplettrestaurierung 220 SE Flosse
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    Hallo Levin,
    ​das ist ein realexistierender Scheunenfund welcher schon beim abstellen vom Rost so zernagt war das es nicht mehr für eine Plakette reichte.
    Nur vom stehen wird das dann auch nicht besser.
    ​Machbar ist zwar alles aber es würde kostentechnisch selbst bei sehr hohem Eigenarbeitsanteil bei mindestens 300% des derzeitigen Preises eines guten Fahrzeugs enden.
    ​Prima geeignet um auf Messen Garagengoldanbeter zu ärgern.
    Gruß HaWA
    Hi, mache er den Dampfstrahler mal an und säuber den Wagen (Innen+Aussen...Ratten-Tauben-Mäuse+Läusepipi+Aa sollen nicht gesund sein), schraub alles ab was Rost hat und schau was noch übrig bleibt......dann kannst du dir erst richtig ein Bild von machen und ev. selber sehen ob du das weiter durchziehen willst oder nicht.....nimm dann aber deine Wunschbrille ab. Die Arbeiten bis dahin kosten nix viel, ausser Werkzeug und etwas Schweiß + Fluchen. Gängige Blechteile + Gummis bekommst du beim VDH.
    *Gruß Hoffy !!!
    Hallo,
    schön, Dein jugendlicher Enthusiasmus! Ich kann Dir da nicht viel zu raten, aber ich habe eine schöne Youtube- Serie zur grundsätzlichen Herangehensweise bei der Wiederbelebung eines vom Grundsatz her ähnlichen Typs für Dich, die in etwa erahnen läßt, was da alles zu machen ist, wobei das dort gezeigte Fahrzeug karosseriemäßig natürlich um Welten besser ist als Dein Schützling:
    Viel Spaß und gutes Gelingen!
    Rolf
    Hi Levin

    wie Hoffy schon schreibt, einfach mal komplett reinigen. Auch wenn Du zu dem Schluss kommst, dass Du das Fahrzeug doch verkaufst, ganz oder in Teilen, so schadet das nicht. Im Umkehrschluss hast Du bei einem gereinigten Projekt trotzdem einen besseren Überblick, kannst erkennen ob alles komplett ist bzw. rettbar und/oder was erneuert werden muss. Auch könntest Du mal versuchen, am Ausgleichsbehälter des Luftfahrwerks mit Pressluft aufzufüllen im zu sehen ob der Wagen hochkommt und (wenigstens für eine Zeit) oben bleibt.

    Die downloadbare Kaufberatung kann Dir eine gute Hilfe sein.


    Viele Grüsse

    Winfried

    300 SE W112 Cabrio M189 Motor Automatik
    Hi Levin,

    Du hast nun ausreichend Input bekommen.
    Hoffy stimme ich zu, zieh die Karre aus dem Sumpf, komplett alles reinigen und dann schauen, woran der Patient kränkelt.

    Versuch mal, über die Uni Hilfe zu bekommen, möglicherweise gibt es da schon Projekte.
    Ansonsten gründe den "Arbeitskreis zur Erhaltung des Automobilen Kulturguts." Stichwort könnte hier auch sein "Nachhaltigkeitsrat"

    de.wikipedia.org/wiki/Rat_f%C3%BCr_Nachhaltige_Entwicklung

    Wenn ich alls richtig verstanden habe, möchtest Du zunächst auch unbedingt den Motor laufen lassen, bzw. erfahren, ob er überhaupt noch dreht.
    Da bin ich nicht so der Fachmann, glaube aber zu wissen, dass man hierzu die Batterie abklemmt, den Gang rausnimmt und den Motor von Hand dreht.
    Einen "leichtgängigen" Motor kann man mit einer Stecknuss und einem langen Hebel, an der Lichtmaschine angesetzt, von Hand andrehen, aber auch da sollten wohl besser erfahrene Mitstreiter Dir erschöpfende Antwort geben.

    Dreht der Motor, sind bestimmt die Zündkerzen, sämtliche Flüssigkeiten und der Ölfilter zu wechseln.
    Weiterhin würde ich den Wasserkühler gründlich durchspülen.

    Aber, wie geschrieben, hier gibt es kompetentere Ansprechpartner als mich, ich will Dir einfach nur ein wenig helfen.

    Viele Grüße

    Peter
    Darüber kannst Du eventuell offiziell Hilfe ranholen.

    An Kotflügel, Motor- und Kofferraumhaube ist ranzukommen
    V8 - Die geilste Art, Benzin zu verbrennen!

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    oldtimer-steuergeraete.de

    mryotostar schrieb:

    V... Finanziell wird dieses Exemplar sich definitiv nicht lohnen, dessen bin ich mir bewusst. Es geht mir auch nicht im geringsten darum, Profit daraus zu schlagen, sondern vielmehr um das Restaurieren an sich, was ohne Frage eine jahrelange, extrem teure Angelegenheit werden wird.
    ...


    Eines haben wir Experten natürlich vergessen: Wenn Du so 60-90.000 Euro auf dem Konto ohne konkreten Verwendungszweck rumliegen hast, dann ist das schon machbar. Ich denke halt immer an meinen Studienbeginn ...

    Beste Grüße
    Thomas
    Noch ne Idee.

    Eröffne einen Blog "Nennt man das so?"
    Stelle in diesen Blog Bilder Deines Schätzchen ein und dokumentiere den Fortschritt Deiner Arbeit.
    Wende Dich mit Deinem Projekt an verschiedene Teilehändler und Werkstätten und frag sie einfach, inwieweit sie Dein Projekt unterstützen können/wollen.
    Biete ihnen an, dass Du sie inklusive einer Verlinkung in Deinem Blog erwähnst.
    So kommst Du eventuell günstiger an Teile ran und sie haben ne tolle Werbung.
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    T-Modell schrieb:

    mryotostar schrieb:

    V... Finanziell wird dieses Exemplar sich definitiv nicht lohnen, dessen bin ich mir bewusst. Es geht mir auch nicht im geringsten darum, Profit daraus zu schlagen, sondern vielmehr um das Restaurieren an sich, was ohne Frage eine jahrelange, extrem teure Angelegenheit werden wird.
    ...


    Eines haben wir Experten natürlich vergessen: Wenn Du so 60-90.000 Euro auf dem Konto ohne konkreten Verwendungszweck rumliegen hast, dann ist das schon machbar. Ich denke halt immer an meinen Studienbeginn ...

    Beste Grüße
    Thomas


    Auf den Punkt gebracht...

    Für so ein Projekt benötigt es außer Geld für das Fahrzeug selbst auch die nötigen Rahmenbedingungen. Passende Räumlichkeiten, passende Ausrüstung, etc. Auch das gibt es nicht umsonst. Bei einem Studentenbudget ist sowas ohne Sponsoring wohl nur möglich, wenn das Projekt über sehr lange Zeit ausgedehnt wird. Und dann arbeitet man gegen die z. T. irrwitzigen Preissteigerungen im Teilesektor an, tlw. über 100 % pro Jahr; veränderte Verfügbarkeiten noch gar nicht berücksichtigt. Aus meiner Sicht eine Schnapsidee. Aber des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelreich. Also geh mit dem Kärcher drüber und schau, was übrig bleibt...

    Gruß

    Ulli
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    Moin Levin,

    erstmal Gratulation zur Auswahl Deiner Leidenschaft!
    Dein Startposting erinnert mich extrem an meinen eigenen Werdegang. Auch ich war frischgebackener Technikstudent als ich mir völlig verblendet meinen Traumwagen, eine 300er Langflosse, zulegte. Dabei war ich gar nicht mal so unbeleckt in Sachen Oldtimerei, hatte zuvor schon einen Ford komplett hergerichtet etc., aber wenn man dann endlich vor seinem Traum-Modell steht, und es zustandsbedingt zu einem erschwinglichen Kurs zu haben ist - ja dann schlägt man halt zu, im Vertrauen auf realistische Einschätzung seiner handwerklichen wie finanziellen Möglichkeiten und in der Hoffnung "dass es schon nicht so schlimm werden wird".
    Und NATÜRLICH irrt man in allen drei Punkten. Das ist unausweichliches Schraubergesetz.

    Mein 300er sah genau so aus wie wie Dein Brocken (nur nicht so beschissen... ;) ), meine Lebenssituation war vergleichbar, meine Technikaffinität wohl auch. Was soll ich sagen, die genauere Bestandsaufnahme nach dem Kauf war ernüchternd, budgetverträgliche Teilebeschaffung, Studium und darauffolgende Umzüge fordern Zeit, und das eigentliche Schrauben mit höchstmöglichem Eigenleistungsanteil natürlich auch. Und so war der Wagen nach exakt 15 Jahren wieder auf der Straße. Und es gab genug Momente, in denen nur meine ostwestfälisch-lippische Sturheit verhinderte, das Projekt aus Vernunftsgründen einzustampfen. Es war mehr so eine Trotzreaktion, es den Zweiflern "zu zeigen". Und klar, wie schon die Vorredner erwähnten: das Ganze war rein wirtschaftlich betrachtet ein Fiasko. Für das investierte Geld, trotz Schnäppchenjagen und Nichteinberechnen der eigenen Stunden, hätte ich mir auch gleich ein bis zwei Wagen gleichen Typs in Topzustand kaufen können.
    Zwar heißt es nicht zu Unrecht gern "der Weg ist auch das Ziel", aber irgendwann kippt das...
    Was aber für das Durchziehen spricht ist, dass man am Ende einen Wagen so dastehen hat, wie man ihn haben möchte, den man wirklich kennt, bei dem man wirklich weiß, woran man ist.

    Klar möchtest Du den Motor als erstes wiederbeleben, einfach um ein Lebenszeichen zu erhalten, den Sound zu hören (der macht übrigens süchtig, ich hatte ihn all die Jahre einamen Schraubens immer im Ohr, was mächtig motiviert), eventuell sogar ein paar Meter damit zu fahren. Genauso habe ich es auch gemacht. Aber glaube es, der Motor ist tatsächlich das kleinste Problem, selbst wenn er kaputt sein sollte. Motoren, oder die Teile dafür, bekommt man relativ problemlos. Der "Rest" des Wagens ist das Problem, das die Zeit und die Kohle kostet.

    Was auf den Bildern zu sehen ist, ist schon recht furchterregend, allein der Zustand der Anbauteile lässt wie schon vorgenannt auf ein schon zu Einlagerungszeiten blechmäßig insgesamt sehr marodes Exemplar schließen.
    Schlachten zur "monetären Verwertung" lohnt aber nicht, denn gebrauchte 108/109er Teile gibts en masse auf allen Verkaufskanälen.
    Meine Erfahrung: ein Schlachtwagen für den Eigenbedarf ist Gold wert! Behalte diesen Wagen, wenn platztechnisch möglich, und verwende ihn als Ersatzteilspender für einen Wagen gleichen Typs, bei dem eine Restaurierung nicht so ausufernd sein würde. Ich kann gar nicht alle Gelegenheiten aufzählen, bei denen ich heilfroh war, dass ich bei meiner Schlachtflosse nachsehen konnte wie die Einbausituation war/sein muss, oder als ich davon Teile (vom Motor bis zur Türgriffschraube) zum Vergleich, zur Aufbereitung oder direkten Wiederverwendung gewinnen konnte. Die jeweilige Identifikation und Beschaffung hätte jedes Mal weitere Zeitverluste, Fehlerpotenziale und höhere Kosten nach sich gezogen. Nochmal: ein baugleicher Schlachtwagen als Schraubvorlage und Teilespender ist quasi unbezahlbar!

    Meine Empfehlung daher ebenfalls: mache mit einem "Auskenner" eine ehrliche(!) Bestandsaufnahme was das Blech und den Zustand der Technik/Innenausstattung angeht. Dann stell ihn in die Ecke und halte Ausschau nach einem passenden, sich ggfs. ergänzenden Gegenstück, das eine nicht ganz so große Blechbaustelle ist. Lohnen wird eine ernsthafte Restauration wirtschaftlich gesehen eh nicht, aber man kann es schon etwas kontoverträglicher gestalten.
    Oder die Vernunftslösung: Du sparst a bisserl länger, und kaufst gleich ein gutes Auto. Das ist insgesamt billiger, der Fahrspaß ist sofort (oder wenigstens schneller) da. Du "kennst" es nur nicht so gut wie ein von Dir selbst aufgebautes Auto. Aber wenn es darauf evtl. auch gar nicht so ankommt...?

    Ja, wir Silberrücken können hier alle schlaue Tipps geben, nicht wahr? Aber das will ein vorfreudiger S-Klassenneubesitzer alles gar nicht so gerne hören oder glauben, was völlig verständlich ist, denn uns ging es ja genauso... damals.
    Man meint es gut und will vor Schaden bewahren, aber um ein weiteres Bonmot zu bemühen: nur aus den eigenen Fehlern lernt man. :sleeping:
    Von daher wünsche ich Dir viel Erfolg, ein glückliches Händchen und viel Durchhaltevermögen. Wir werden Dir hier alle mit Rat (und Tat, wenn möglich) zur Seite stehen.

    Und man darf auch nicht vergessen: wären in der Vergangenheit nur die Wagen gerettet worden, bei denen es vernünftig war, hätten wir heute nicht so viele schöne Wagen auf der Straße... :thumbup:

    Beste Grüße,
    Lutz
    Lutz, mal wieder auf den Punkt gebracht!

    Lieber Levin, besser kann man es wohl nicht schreiben. Es werden imm zwei innere Kräfte zerren, das Haben/Machen-Will und die Vernunft. Lutz Vorschlag ist ein guter Kompromis. Ich hätte mir bei meiner jetzt fast fertigen W111-Sanierung sooo oft einen zweiten Wagen zum Nachgucken gewünscht ...

    Übrigens, auch von meinem Projektchen hätten mir wohl viele abgeraten. Ich bin jetzt einige Erfahrungen reicher, einige Tausender ärmer, aber die Vorfreude, mit dem Wagen irgendwann mit ein paar Leidgenossen beim Bier zusammenzustehen, ist genauso riesig, wie das Gefühl, es irgendwie geschafft zu haben.
    Bilder
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    Gruß
    Paul
    Als Amateurrestaurator wist du bestimmt 2000 Stunden benötigen. Die Kosten werden je nach Anspruch EUR 50.000 mehr oder weniger deutlich überschreiten. In der Garage wird das auch nicht funktionieren. Du benötigst Platz, Werkzeug, Hebebühne etc. Ich mache bei meine Restaurationen eine tägliche Zeitaufschreibung und Erfasse alle Kosten. Wenn man sich am Ende Excel-Tabelle ansieht gilt der Spruch: "Da staunst du".

    Ich persönlich würde das Auto nicht anpacken, komplexe Karosse, komplexe Technik, aufwändige und teure Restauration, geringer Gegenwert. Eine Pagode z.B. ist da in allen Belangen vorteilhafter.

    Was kann ich dir raten? Schutzanzug mit Gasmaske anziehen (kein Scherz) und das Ding mit dem Dampfstrahler sauber machen. Vielleicht sieht´s danach anders aus. Auf jeden Fall wirst du danach beim Verkauf einen Gewinn erzielen, den du in ein besserers Auto inverstieren kannst.

    Udo
    Drei Anmerkungen:
    1) Gründlich Kärchern und Bilder vom danach noch verbliebenen Rest-Fahrzeug machen. Vor allem auch von unten und in die Ecken rein fotografieren. Diese Fotos hier nochmals begutachten lassen.
    2) Recherchiere einmal "Elvis BMW 507". Den Zustand dieses Wagens habe ich als "Scheunenfund" nicht ganz so schlimm in Erinnerung wie den Deines W109. BMW hat das Fahrzeug in den letzten Jahren Werks-restauriert und hält die Gesamtsumme m.W. geheim. Warum wohl?
    3) April, April? War mein erster, ganz spontaner Gedanke... ;)
    Ich hatte vor 15 Jahren auch einen 108er aus Einlagerungsdatum 1986 ausfindig gemacht und nach 2 Jahren Garagenrestauration (ohne Urlaubsreisen) die H-Abnahme absolviert. Aber der sah bei weitem nicht so wüst aus, wie Dein 109er. Ratschläge bzgl. Schlachten sind auf Basis der Bilder allesamt unseriös. Entscheidend ist bei diesem Auto die Karosserie und damit meine ich nicht den Heckdeckel.
    Also, kärchere die Kiste und lass sie von jemand anschauen, der Peilung hat. Motorträger gerade? Schweller rettbar? Bodenbleche vorhanden? Hinterachsaufnahmen (Banane) erahnbar? Kofferraummulden rekonstruierbar? Alles geschraubte tut natürlich weh, ist aber für einen, der es ernst meint kein Thema.
    Wenn die Rohkarossenbestandsaufnahme nicht den Weg in die Endverwertung weist, dann musst Du Dir klar werden, wie Du das Dilemma aus vorhandenem Geld und erwartetem Endzustand löst. Von der Verfügbarkeit von Platz und Zeit (Du bist ja noch jung!) gehe ich aus.
    Wenn dann der V8 noch einigermaßen Kompression hat, dann wäre das schon die halbe Miete.
    Dass einige Euros in die Luftfederung wandern muss Dir auch klar sein, aber Du wolltest es ja so.... :thumbsup:

    Halte uns auf dem Laufenden!
    Uwe
    Hey Levin,
    ich hab jetzt noch nicht den gesamten Thread gelesen, weiß aber worum es geht. Ich wollte jetzt einfach mal meinen Senf dazu geben, da ich in einer ähnlichen Situation war bzw. bin wie du: Ich hab mir vor ca. 7 Jahren, als ich noch in der Schule war meine kleine Flosse gekauft, sie war nicht besonders schön, aber fuhr und ich war stolz wie Oskar mit dem ding. Nach einem reparierten Motorschaden wollte ich zu beginn meines Studiums anfangen "die paar Roststellen" zu fixen. Das erste Bild zeigt wie der Hobel zu dem Zeitpunkt aussah: Wahrlich nicht gut, aber bei weitem nicht so schlimm wie deiner. Dennoch stellte sich heraus, dass der Wagen von unten komplett unbrauchbar war und man hat mich das mitgenommen. Es war ja schließlich mein erstes Auto, ich hatte tolle Erinnerungen an die Kiste.
    Also fing ich an den Wagen Komplett zu zerlegen und meinte ihn mit einer guten Karosse wieder zusammenbauen zu können. Die alte verkaufte ich für nen hunderter nach Polen (die sind da ja teilweise deutlich geschickter und geduldiger, was das betrifft) Die neue Karosse hatte "einige Kleinigkeiten" zu machen. joar... und das zieht sich jetzt schon die letzten vier Jahre hin... während meines Studiums... Glücklicherweise ist der Wagen bei meinen Eltern und damit weit genug weg, dass er mich während dem Semester nicht ablenkt, aber nochmal machen würde ich das so nicht unbedingt wollen... Es frisst deutlich mehr Zeit und Geld als erwartet. Klar es macht riesen Freude aber wenn das Ziel das fahren ist, wie auch bei mir, dann ist das leider doch stark frustrierend manchmal.
    Ich würde mich einigen Vorrednern anschließen und sagen versuch noch so viel Geld wie möglich aus dem wagen raus zu holen und such nach einem, der sich lohnt. Muss ja kein Top wagen sein, aber ich denke an einer rollenden Restauration hat man als junger Mensch, wie wir es sind deutlich mehr Freude, da man den Wagen ja so schnell wie möglich genießen will (und vielleicht auch mal ein bisschen posen ;) ) Ja es mag schwer sein, sich von so einem Wagen zu trennen, aber glaub mir: Es befreit auch ungemein, wenn man wieder etwas Land in seinem Projekt sieht :)

    Sorry, dass auch ich dir da jetzt keine motivierenden Worte zusprechen konnte, aber ich bin durch voreiliges Kaufen und Handeln auf die Schnauze gefallen und würde andere gerne davor warnen ^^

    Grüße
    Rolf
    Bilder
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