Hallo Paul,
im Forum bin ich meistens der stille Mitleser. Bei deiner Geschichte bin ich aufmerksam geworden, und erinnerte mich direkt an ein von mir selbst durchlebtes Szenario.
Wahrscheinlich interessiert das hier keinen, aber dennoch möchte ich das hier mal zusammenschreiben. Vielleicht auch nur, damit du siehst, dass du nicht allein mit solcher Art Problemen bist. Und was andere an deiner Stelle dann entscheiden. Vorab sei gesagt, dass bei mir ist das Thema inzwischen abgeschlossen ist.
Ich hatte lange Zeit einen schönen S210 E430T 4-Matic. In Violan-Metallic mit hellem Leder und Avantgarde Ausstattung. Damals gekauft, weil ich keinen adäquaten S124 als Familienauto gefunden hatte. 15 Jahre lange war dies ein treuer Begleiter, zumal ich ein recht gutes Exemplar erwischt hatte und mit den typischen 210er Leiden lange Zeit keinen Stress hatte. Trotz musste nach all den Jahren hier entsprechend investiert werden. An der Tür Unterkanten, an der Dichtung, hatte sich dann doch mal etwas Rost gebildet, was ich erstmal mit MS aufgehalten hatte. Trotzdem stand im Raum, das hier die Türen zumindest teilweise ersetzt werde sollten. Die beiden Katalysatoren waren dann defekt, da sich der Keramikkörper gelöst hatte. In diesem Zuge wurde analysiert, was noch ansteht. Die Bremsleitungen über der Achse hätten mal gemacht werden müssen, und auch an der Achsaufnahme hätte man nun doch mal überholen müssen. Auspuff und Reifen, was so an Verschleiß eben kommt. Fakt ist, das eine Investition von ca. 7000€ angestanden hätte, und ich mir überlegte, was noch alles kommen könnte. (Um es vorab zu nehmen, natürlich wäre eine solche Investition besser gewesen, aber da wusste ich ja nicht was kommt…).
Ich entschied mich, dann dafür endlich mal auf einen etwas verbrauchsgünstigeren und einfacheren Reisewagen zu wechseln und fand einen Passat Kombi mit 4-Motion in einem spitzen Pflegezustand mit Lederausstattung und gerade mal120tkm Laufleistung (nachweislich von VW). Gedacht, als „günstiger“ Reisebegleiter auf mittlerer bis langer Strecke sollte der TDI auch die Reisekosten damit gleich etwas senken. – Der erste Fehler, hier hätte ich wahrscheinlich schon direkt beim Stern bleiben müssen.
Parallel hatte ich den E430T für einen recht günstigen Preis verkauft, da ich vom möglichen Marktwert auch berücksichtigt habe, was an Reparaturen anstand. – Ich bin da eigentlich eher der ehrliche Mensch, und hatte alle Defekte und den Zustand auch passend beschrieben.
2. Fehler, denn leider habe ich dadurch den S210 viel zu günstig verkauft an jemanden, der mir eine tolle Geschichte vom 210er Liebhaber erzählte. Ich dachte es hätte den Richtigen getroffen und mein lange geliebter 210er hat eine weitere Zukunft in liebevollen Händen. Drei Tage später fand ich dann meinen alten 210er für viele tausend Euro mehr inseriert auf den Online-Verkaufsplattformen. Mit einer großartigen Beschreibung, wie „rostfreier Wagen“ und „Scheckheft gepflegt“… - Ich hatte es dann eigentlich sehr schnell gemerkt, dass dies eine Fehlentscheidung war, zumal es einen E430T 4-Matic auch gar nicht oft gibt.
Jetzt nahm das Drama allerdings erst so richtig Fahrt auf. Der erworbene Passat entpuppte sich als Groschengrab. Denn gefühlt alles, was diese Fahrzeuge so haben können, folgte. Gleich nach dem Kauf zeigte sich ein undichter AGR-Kühler, was zu Wasserverlust führte. Das war wohl auch schon beim Kauf so, was natürlich bei Probefahrten nicht aufgefallen war. Bei der ersten größeren Tour kam es dann zur Meldung „Kühlwasser prüfen“. Sicherlich war der Fehler schon beim Vorbesitzer vorhanden, aber es war ein Privatkauf und wie soll man das beweisen. Nun gut dachte ich, AGR ist immer ein Thema bei dem alten schummle Diesel. Das wird halt repariert, und in Gedanken hatte ich das ja auch schon mit eingeplant. Allerdings nicht wenige Wochen nach dem Kauf… und in meiner Planung hatte ich auch den Mehraufwand durch den 4-Motion nicht mitberücksichtigt. Ich war aber noch guter Dinge und dachte, dass prophylaktisch auch gleich der DPF in diesem Zuge mit gereinigt werden sollte. Der Partikelfilter war nun einmal ausgebaut, und so dachte ich auch an eine nachhaltig vorsorgliche Investition.
Aus dieser Reparaturschleife kam ich dann auch leider nicht mehr richtig heraus. Auf der nächsten Reise folgte ein defekter Injektor, mit der weiterführenden Diagnose, dass „viel Dreck“ aus dem Tank kommt. (Vielleicht Dieselpest, wer weiß das schon, der Wagen hatte ja auch erstaunlich geringe Laufleistung). Der Tank musste ausgebaut und gespült werden, was leider beim 4-Motion wieder einen weiter erhöhten Aufwand ausmacht. Dann gab es später noch ein defekten Airbag Schalter oder defekte Lenkradverriegelung, und immer wieder gab es das durchdringende Piepen als Fehlermeldung. Eis verging eigentlich kaum eine Tour, bei der man nicht im Hinterkopf hatte, wann es denn nun das nächste Mal piept. Und bei all dem Geld, was bis dato schon den Besitzer gewechselt hatte, möchte man auch ein Fahrzeug haben, welches einfach nur zuverlässig seinen Dienst verrichtet.
Das Fahren selbst war mit dem Passat angenehm und tatsächlich war er auch vom Verbrauch her recht sparsam. Aber die Reparaturkosten hatten in Summe nun schon die 10000,-€ erreicht, wo der geringere Diesel-Verbrauch dann seinen Kostenvorteil gegenüber des vorherigen V8 schon locker aufgebraucht hatte. Und hier kam dann auch die Erkenntnis, dass eine Investition der vielen Tausender, in dem zuvor verkauften 210er besser gewesen wären. Zumal der rumpelige Diesel überhaupt kein Vergleich zu dem souverän laufenden V8 war.
An dieser Stelle war ich wohl so weit, wie du jetzt bist Paul. Man denkt immer, jetzt kann nicht mehr viel kommen. Wobei ich schon ein defektes Verteilergetriebe vom 4-Motion im Geiste vor mir sah…
Für mich war dann aber schon klar, dass ich mit dem ollen Passat nicht wirklich warm werde und ich diesen wohl auch wieder veräußern werde. Zumal ich mit diesem emotionslosen Auto auch kein verlangen hatte am Wochenende zum Kaffeetrinken in eine nett gelegene Lokation zu fahren. Dafür nutze ich sowieso lieber meinen 420SE. – Was auch eine Parallele war, wo ich deine Geschichte gelesen hatte. So ein W126 ist schon ein fantastisches Auto. 😉
Das i-Tüpfelchen kam dann, als der VW noch ein defektes Steuergerät am Lenkgetriebe hatte. Ein guter Bekannter, der hauptsächlich eher alte Mercedes in seiner Werkstatt verarztet, hatte mir seine Hilfe angeboten, die Lenkung nun noch für einen überschaubaren Kostenrahmen auszutauschen. Und hier folgte durch Zufall auch parallel meine Lösung.
Mein Bekannter brachte mich von der Werkstatt zum Bahnhof, und er hatte gerade einen passablen S210 270 CDI im Einsatz. Nach dem Einsteigen fühlte ich mich direkt wieder zu Hause. Auch der Geruch war meinem sehr ähnlich. Ein Blick auf den Tacho zeigte eine Laufleistung von gerade mal 100.000km. Mit diesen Gedanken in der S-Bahn schrieb ich ihm dann, ob wir nicht einen Deal machen könnten. Er behält einfach den Passat und ich hole dann stattdessen den 270CDI bei ihm ab. - Naja, ganz so haben wir es dann nicht umgesetzt. Er meinte aber, dass wir da sicherlich eine Lösung finden würden, wenn ich dann ernsthaftes Interesse an seinem T-Modell hätte. Daraufhin habe ich den Passat aber dann inseriert, und es dauerte auch etwas, eh ein echter Interessent darauf aufmerksam wurde. Zwei Monate hatten sich nur kuriose Händler mit wilden Geschichten gemeldet. Mir war klar, dass der Wagen nun wohl weitestgehend durchrepariert war, und ich diesen trotz all der Leiden auch nicht verschenken wollte. Das Fahrzeug wollte nicht wieder unter Wert verkaufen. Zumindest in diesem Punkt hatte ich an Erfahrung gewonnen. Es fand sich auch ein passender Käufer, der sich auch mit der VW-Technik auskannte, und der auch ganz begeistert vom guten Zustand des Passats gewesen ist. Ich hatte ihm auch meine gesammelten Rechnungen mitgegebene, aus denen hervor ging, was an dem Fahrzeug nun schon alles repariert wurde.
Ich kaufte dann tatsächlich den S210 270 CDI, der zwar nur eine CLASSIC Ausstattung mit Kunstleder hat, dafür aber auch aber Memory-Sitze, Schiebedach und schönes Holz im Innenraum. - Wer auch immer diese Konstellation mal bestellt hatte. Der 5-Zylinder ist auch ein schöner Reisebegleiter und ist auch verbrauchsarm mit viel Platz unterwegs. Der Zustand ist top und er hat natürlich auch eine Hohlraum- und Rostschutzversiegelung bekommen. – Allerdings ist das nun auch wieder kein echter Alltagswagen. Eher ein schöner Reisewagen für den Sommer. Für den Winter ist er mir nun tatsächlich schon wieder zu schade, zumal gute 210er ja nicht vom Baum fallen…
Paul, jeder sucht sich einen eigenen Lösungsweg. Und sicherlich ist es schade um das Geld, was man investieren musste. Aber es tut wirklich gut mit einem Kapitel ein Ende zu finden. Denn auch der Nerv-Faktor ist etwas, was einen sonst immer wieder beschäftigt. Und für mich war es auch die Erkenntnis, dass ich den Pfad der Sterne eben nicht verlassen sollte.
Ich drücke dir die Daumen, dass dein grüner S211 nun endlich wieder auf dem aufsteigenden Ast ist. Denn anders als bei einem Passat, kann man da ja zumindest von einem eleganten Fahrzeug sprechen. 🙂
Langer Text, aber irgendwie geht es einem nach dem Schreiben auch wieder ein Stück besser. 😇