W111 220Sb aus Hannover

  • Einen schönen guten Tag zusammen!


    Vor ein paar Wochen habe ich mir endlich den Wunsch nach einer W111 Limousine erfüllt. Das Fahrzeug wurde in Hannover 1963 zum ersten Mal zugelassen und hatte dann noch zwei weitere Halter - ebenfalls in Hannover. Der Halter ist dann leider verstorben und die Witwe wollte den Wagen nicht verkaufen, so lange sie noch lebt. Allerdings waren das noch 40 Jahre und somit Stand der Wagen tatsächlich seit 1977 40 Jahre lang in einer trockenen Garage, bis ihn ein älterer Herr kaufte, um dann erstmal diverse Teile zu tauschen und das Auto wieder fahrbar zu machen. Nun habe ich den Wagen mit 75.000km und wie es scheint absolut ungeschützt gekauft. Alle Stellen, die ich mir angesehen habe, sehen tadellos aus und ich habe noch keine Rostbaustellen entdeckt, obgleich im Motorraum aus meiner Sicht schon Handlungsbedarf besteht. Außen wurde der Wagen mal nur lackiert, was auch gut ausgeführt wurde. Dummerweise ohne die Scheiben zu montieren. D.h. also es wurde nur bis an die Dichtungen lackiert. :rolleyes: Aber für ein 63 Jahre altes Fahrzeug steht er gut da.


    Folgende Teile sind bereits vom Vorbesitzer neu gemacht wurden:


    - Reifen

    - Bremsen komplett

    - Bremsschläuche

    - Geber- und Nehmenrzylinder der Kupplung inkl. des Schlauches

    - einige Spurstangenköpfe (?) sehen ebenfalls neu aus

    - diverse Gummiteile


    Was mir jetzt aufgefallen ist, was nicht funktioniert, wie es soll:


    - Kupplungspedal hängt (da die hydraulischen Teile alle neu sind, hoffe ich mal nur auf nicht oder unzureichend entlüftet)

    - Wagen zieht beim Bremsen nach rechts

    - Motor läuft nur sauber, wenn der Choke ein wenig gezogen ist

    - Auspuff undicht (ein neuer ist bereits unterwegs)

    - Tachonadel zeigt nichts an. (Kilometerzähler funktioniert aber)

    - Kühler schwitzt (es läuft oder tropft aber keine Wasser raus. Jedenfalls nicht im Stand)

    - und ein paar Kleinigkeiten :S


    Ich zeige jetzt mal ein paar Bilder und würde mich sehr über eure Einschätzung freuen! Was fällt euch auf, was sollte ich in jedem Fall machen und auf was sollte ich achten? Wie gehe ich mit der Korrosion im Motorraum um? Insbesondere an der Spritzwand und an den Komponenten wie Bremskraftverstärker, Teilen am Motor und dem Hauptbremszylinder um? Die Teile sind zwar stark korrodiert und nicht mehr ansehnlich, funktionieren aber, weswegen ich mich etwas schwer tue, diese auszubauen und zu überarbeiten.


    Als einen der ersten Schritte hatte ich eigentlich eine Hohlraumkonservierung geplant.


    Wie würdet ihr jetzt vorgehen?


    Herzlichen Dank vorab für den Input!


    Viele Grüße

    Chris

  • Hallo Chris,

    Glückwunsch zum Neuerwerb…… sieht alles soweit gut aus. Die Holraumkonservierung ist eine gute Entscheidung, da du damit den guten Blech - Zustand erhältst . Danach würde ich die Achsen und den Motorraum Trockeneisstrahlen lassen. Das ermöglicht dir eine optische Bestandsaufnahme über den Zustand der verbauten Komponenten . Du kannst dann Stück für Stück entscheiden , was aufzubereiten ist. Zum Beispiel : die Ölwanne ,der Kühler , der Hauptbremszylinder usw. Alles step by step und mit kleineren Sachen anfangen um sich langsam in das Fahrzeug einzuarbeiten. Nachdem die Karosserie ohne Scheibendemontage lackiert wurde , halte ich es für unumgänglich alle Scheiben zu entfernen um nach Rost in den Pfalzen zu schauen. Da gibt es sicherlich Handlungsbedarf.

    Bei mir sah das so aus

      



    War aber zum Glück nicht durchrostet.


    Viele Grüße Mario

  • Hallo Chris,

    Glückwünsche zu einen tollen 220Sb, vielen Dank auch für die vielen Bilder. Wenn man die verbaute Bremsanlage/den Kupplungszylinder betrachtet, Bild 857, könnte es sich um ein frühes Exemplar handeln, was es umso spannender macht.


    Würde es auch behutsam angehen. Auch vor dem Hintergrund des vermutlich frühen Modells, für das es nicht mehr alles in der originalen Ausführung geben dürfte. Es soll ja auch nichts kaputt gehen.


    Manches kann man ja zunächst prüfen, z.B. könnte man ohne großen Aufwand den Kühler vorsichtig abdrücken. Falls sich da etwas zeigt, gibt es noch viele Werkstätten für eine fachgerechte Überholung.


    Eisstrahlen kann Sinn machen, vor allem weil es teils unter der werksseitigen PVC Beschichtung des Unterbodens zu Unterrostungen kommen kann. Das kostet aber richtiges Geld und man muss vorsichtig sein hinsichtlich der anderen Flächen zur Vermeidung von Lackschäden (abdecken). Ich weiß, wovon ich schreibe…


    In Sachen versteckter Rost könnte man einmal mit einem Endoskop leicht zugängliche Bereiche untersuchen. Dazu braucht es ein wenig Übung. Z.B. kann man vom Kofferaum die inneren Radläufe bis runter zu den hinteren Endspitzen der Schweller betrachten. Vorne kann man mal die Schottwände rausnehmen und schauen, wie es da aussieht.


    Man könnte auch einmal die Verkleidungen unter dem Armaturenbrett vorsichtig ausbauen und dann von unten dahinter bis hoch zum Frontscheibenrahmen schauen, ob da etwas auf Wassereinbruch/Rost hindeutet, alles mikroinvasive Maßnahmen.


    Die Demontage der Türverkleidungen kann ohne Know How schon eher mal zu kleinen ärgerlichen Schäden führen, da kann das große Werkstatthandbuch hilfreich sein, gibts beim VDH.


    Das alles sollte man u.a. bereits vor einer Hohlraumversiegelung machen, um das Mittel der Wahl festzulegen. Wachs über blätternden Rost zu sprühen, hilft nicht wirklich…


    Sicher kommen noch viele weitere nützliche Hinweise, viel Spaß mit der Flosse :thumbs2up:


    Grüße Gerd

  • Hallo Christian!

    Glückwunsch zum offenbar nach Fotos ordentlicher Subtstanz.

    Die sanfte Inbetriebnahme wird sicher noch die eine oder andere Maßnahme erfordern. Standschäden durch Nichtbenutzung bleiben leider nicht aus.

    Ich mag Dir dringend die Mitgliedschaft im Club aus vielen Gründen und nicht zuletzt den Stammtisch des VDH in Hannover empfehlen. Dort findest Du viel Erfahrung mit Deinem Modell und sicher Rat und Tat, wenn Du mal nicht mehr weiter weißt.

    Gute Fahrt und beste Grüße aus Hannover nach Hannover Oliver

    Olli


    ..mit DER Lösung kann ich nicht leben, ich will mein Problem zurück..... :thumbup:

  • Hallo Chris,

    Glückwunsch auch von meiner Seite, sieht ja alles recht vollständig aus, schöne Innenausstattung.

    Meiner stand 28 Jahre unter dem Paletot, in eigentlich trockener und gut belüfteter Garage, aber seitdem ich die Luftfeuchtigkeit messe, weis ich, das es trocken bei uns nicht gibt, erforderte einige Karosseriearbeiten. Daher auch der viele Flugrost bei Dir. Würde ich aber auf Teufel komm heraus nicht angehen, vorsichtig nacheinander. Nur schauen wie um die Karosse steht.


    Du scheinst noch einen außenliegenden Geberzylinder an der Kupplung zu haben, hier würde ich erstmal Füllstand prüfen und die Anlage von unten mit der Spritze befüllen, dann kriegt man sicher alle Luft raus. Ansonsten den Geber prüfen, hier können die Dichtung nach der langen Zeit schon nachgeben. Bei mir fielen vor zwei Jahren Geber, Nehmer und Schlauch gleichzeitig aus. Neu sieht der Geber aber nicht aus.

    Am Nehmer ist schwer zu beurteilen, ob die Flüssigkeit daran Öl vom Motor oder doch aus diesem kommt, speziell weil die Gummimanschette trocken, die Gewindestnage ber Naß ist. Bei mir hat an einem Nachbaunehmer nach nicht mal 1500 km die die Kolbendichtung versagt.


    Zum Karosserierost wurde ja schon einiges gesagt, Trockeneisstrahlen ist zwar nicht schlecht, vor allem, wenn noch sensible Bauteile dran sind, aber meiner Erfahrung nach ist es eher ein tiefgehendes Reinigungsvefahren, gut zum Entfernen von losem Rost, Unterbodenschutz bekommt man damit kaum ab, da half bei mir nur Spachtel und Heißluftfön. Ist auch recht teuer, ich hatte vor sieben Jahren 170 Euro die Stunde bezahlt.

    Der original Unterbodenschutz ist auch nicht schlecht, wenn er noch fest ist und das Blech von der Innenseite solide klingt, würde ich ihn nicht antasten, schlimmer sind die meist nachträglichen Teroson Bitumen Anstriche.

    Türen von innen anschauen wurde ja auch schon erwähnt.


    Beim Kühler bin ich mir nicht sicher, ob ich den abdrücken würde, denn wenn er dicht ist, heißt es nicht, das er es morgen auch noch ist, so wie er aussieht. Dann lieber gleich zum Kühlerinstandsetzer und neu verlöten lassen.


    Die Polsterplatte am Armaturenbrett schaut etwas wellig aus, wie schon vorgeschlagen von unten mal reinkriechen und alles auf Feuchtigkeit oder deren Resten suchen. Unangenehm auch, wenn der Wärmetauscher leckt ( ich hab meinen außer Betrieb gesetzt und fahre ohne Heizung ) oder das Scheibenwischergestänge Schaden genommen hat.


    Beim Tacho wirst Du um einen Ausbau nicht herumkommen um ihn zu revidieren, viel Fummelei, geht aber , mit abgebrochenen Fingenägeln. Aufpassen am Ölmanometer und Thermometer, an beiden sitzen Ölleitungen, die direkt zum Motor führen.


    Motorundichtigkeiten erstmal lokalisieren, bei mir tropft es an der Anschlussstelle zur Kraftstoffpumpe, das verteilt sich über den Lüfter dann überall hin.


    Du schriebst, das den Choke ziehst, verwundert mich etwas, den hat eigentlich nur der 220b mit den PICB, der 220Sb hat eigentlich zwei PAITA, mit Startautomatik.


    Getriebe und Schaltung geht ? Hier sind meist die Kunststoffbüchsen im Schaltgestänge defekt. Kosten nicht viel, aber lange Arbeit bei Austausch.


    Ich wünsche frohes Gelingen, das Auto ist es wert.


    Gruß Uli

    Uli aus München, 220b, BJ.65

  • Kleine Ergänzung zum Tacho: Wenn der schon ausgebaut ist, gleich die 10 kleinen Glühlämpchen tauschen, damit das Fieberthermometer auch im Dunkeln abgelesen werden kann. Manche nehmen auch passende LED Birnchen, wird nochmals heller, Geschmackssache… allerdings ob die dann weitere 60 Jahre halten, I doubt it🤷‍♂️


    Der Choke, wenn original, könnte ebenfalls für ein sehr frühes Exemplar sprechen?


    Grüße Gerd

  • Hallo Chris,


    Glückwunsch zum Neuerwerb. Das sieht alles gut und stimmig aus. Aus den Fotos kann ich erkennen, dass Dein Wagen die Solex-Vergaser hat. Die haben definitiv einen mechanischen Choke. Die INAT Vergaser hatten dann eine Startautomatik.


    Gruß Uli.

  • Schönen guten Abend und herzlichen Dank für die freundlichen Worte. Ich bin sehr froh, dass ich mit dem Kauf wohl die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich hatte schon etwas Bammel davor, dass die Bilder Baustellen offenbaren, die mir nicht aufgefallen sind, euren fachmännischen Augen aber sehr wohl auffallen. ;)


    Ich werde jetzt für mich behutsam die nächsten Schritte planen. Einen Trockeneisstrahlbetrieb, der auch Fahrzeuge strahlt, konnte ich in Hannover noch nicht ausfindig machen.


    Meine Idee wäre ansonsten die Achsen zu demontieren, zu überarbeiten und alle Lagerungen und Gummiteile zu ersetzen. Anschließend könnte ich mir einen Neulack inkl. des Motorraumes und mit ausgebauten Scheiben vorstellen. Aber ob das noch halbwegs bezahlbar ist, müsste ich erstmal abklären. Während der Motor demontiert ist, würde ich ihn größtenteils montiert lassen und lediglich optische Dinge erledigen, aber dennoch Teile wie z.B. Leitungen, Schläuche und Kraftstoff- und Wasserpumpe erneuern, andere Anbauteile strahlen und/oder lackieren/pulverbeschichten/verzinken. Ist das ein Plan oder würdet ihr davon abraten?


    Der Hinweis der gammeligen Scheibenrahmen hat mich etwas beunruhigt. Und wenn ich die Scheiben ausbaue, um anschließend alles wieder mit neuen Dichtungen zu montieren, gibt es vermutlich eh die ein oder andere Stelle, die neuen Lack erfordert. Innen unter dem Armaturenbrett sieht übrigens alles wie bei einem Neuwagen aus. Keine Auffälligkeiten. :love:


    Meine Mitgliedschaft im vdh habe ich gestern übrigens beantragt. :) Ich habe diesbezüglich gestern viel gelesen und das klingt für mich sehr vernünftig. Danke für den Hinweis!


    Ich freue mich auf einen weiterhin regen Austausch.


    Viele Grüße,

    Chris

  • Hallo Chris,

    Auch ich möchte dich zu dem schönen Wagen beglückwünschen.

    Um dich etwas zu verunsichern, plädiere ich entgegen deinen Plänen eher für eine behutsame Instandsetzung.

    Schau, der Lack ist ja nicht so übel. Die Scheiben sind dicht? Würde ich erst mal so lassen. Wenn irgendwann mal ein Bläschen sichtbar wird, kann man immer noch tätig werden; deswegen klappt die Flosse nicht gleich zusammen.

    Den Motorraum kann man auch mit Öl/Owatrol o. ä. behandeln. Schau, die Flosse ist jetzt 60+, da schauen wir auch nicht mehr wie frisch geschlüpft aus.

    Die Technik auf Vordermann zu bringen, Standschäden und Wartungsstau zu beseitigen, ist eine gute Idee, die sich in Fahrspass auszahlt.

    Du musst aber höllisch aufpassen, dass das nicht auf eine Vollrestaurierungsorgie hinausläuft, die oft genug als zerlegter Zombie in den Kleinanzeigen endet.

    Been there, done that, no shirt...


    Ausser, du weisst genau, was du anfängst und hast Spaß daran, den Platz, die Zeit, das Geld und das Durchhaltevermögen.

    Go for it.

    Gute Grüße
    Uli


    "Spaltmaße sind überbewertet."

  • Die Gefahr, dass das bei mir ausartet ist groß. Ich liebe einen Ausstellungs-Neuzustand. Und ich muss noch lernen, auch Patina schätzen zu können.

    Macht es denn Sinn alle Gummiteile im Bereich des Fahrwerks zu tauschen oder würdest du nicht mal so weit gehen?


    Wie würdest du den Motorraum mit Owatrol angehen?

  • Moin Chris,


    besuche mal einen Stammtisch und lass dich von den "Alten Hasen" beraten.

    Gruß

    stefan


    An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.(Erich Kästner)

    „FECI QUOD POTUI FACIANT MELIORA POTENTES“

  • Hallo Chris,

    da Achsgummis altern uns sicherheitsrelevant sein können, müssten die neben anderem sorgfältig geprüft werden. Wenn man die Achse schon raus nimmt, sollte man sicher die wesentlichen Verschleißteile gleich ersetzen. Da gibt es teils Sätze mit den wesentlichen Teilen, wobei neue Gummis teils schneller altern als die originalen, da die Qualität heute eine andere ist. Bei der Vorderachse gibt es das Thema der nicht einfach zu ersetzenden Achsschenkelbolzen und die sehr unterschiedlichen Qualitäten der Reparatursätze. Aber auch da muss man erstmal prüfen und im ersten Schritt mal den vollständigen Abschmierplan machen. Dann mal ausgiebig fahren, sehen und hören…


    Die Technik ist ja insgesamt einfach und dankbar und wenn man dann etwas feststellt, geht es zu machen.


    Der Ausbau der Frontscheibe setzt u.a. Auch den Ausbau der unteren Zierleisten voraus. Sollten die wirklich noch unberührt am Platz sein, ist der Ausbau ohne Schäden an den Leisten nicht ohne. Die Clips wie bei den Leisten auf der Tür halten Bombe. Schäden an den wohl eloxierten Leisten können kaum in einen Originalzustand rückversetzt werden. Neue Leisten sind sehr teuer.


    Noch ein leichter Checkpoint: mit dem Endoskop den Wasserlasten vor der Frontscheibe inspizieren….


    Eisstrahlen des Unterbodens dürfte ab TEUR 1 losgehen, Lackierung der zerlegten Karosse je nach erforderlicher Vorarbeit (Abbeizen aufs blanke Blech? Epoxy beschichten? etc.) mit Motorraum und Türfalzen dürfte in die 10 TEUR gehen oder doch lieber zur Rohkarosse abrüsten und ab in die KTL Beschichtung?

    Halte das selbst für alle gut erhaltenen Exemplare mit wenig Karosserierost alles für overdone, besser erstmal fahren, Technik machen und sehen, ob die Flosse Berufung ist.


    Hatte meine erste Flosse 77 und danach immer wieder eine mit Abständen und wollte immer wieder eine haben, so geschehen 2019, nunmehr bis der Tod uns scheidet :thumbup: Mein Vater hatte auch eine und sagte zu uns Kindern, wenn ihr nicht artig seid, in den Kofferraum passen Kindersärge… wir haben das lieber nicht getestet..


    Grüße Gerd

  • Hallo Chris,

    so wie ich es sehe planst Du ja fast eine Totaldemontage, daher ist der Hinweis, der mir noch eingefallen ist wahrscheinlich überflüssig, gilt nicht nur für die Achsgummies, sondern auch für alle Schläuche, bei mir waren nach der langen Standzeit alle Benzinschläuche mürbe. Bei den Gummi- und Elastomerteilen auch versuchen auf Originalbauteile zu gehen, sofern erhältlich, hier sind die nicht geregelten bzw. geprüften( denn auch die der Originalhersteller kommen meist daher ) Nachbauteile aus Fernost oft Qualitätsprobleme und fallen aus ( bei mir z.B. die Dichtung im Kupplungsnehmer nach nur 1500 km ).

    Der Choke wundert mich trotzdem. Der 220S hatte eigentlich von Beginn an die Solex 34 PAITA Registervergaser mit Startautomatik, der 220b hingegen nur zwei 34 PICB Einfachvergaser ( ist als einzelner auch im 190c) mit Startvergasereinrichtung , kein klassischer Choke im Sinne der Luftdrosselung, sondern ein integrierter Starvergaser mit Extradüsen zum Start, über Bowdenzug mit anklopfen rechts neben dem Zündschloss am Armaturenbrett aktiviert. Diesen Knopf hat der 220S nicht.

    Dein Luftsammler über den Vergaser schaut schon nach dem PAITA aus, aber diesen mit Choke kenne ich nicht. Würde mich interessieren wo der anschließt, mach doch mal ein Bild von den Vergasern, wenn der Sammler runter ist


    Liebe Grüße Uli

    Uli aus München, 220b, BJ.65

  • Hi Uli,


    nach den letzten Meinungen hier, bin ich erstmal ganz vorsichtig, was die nächsten Schritte anbelangt. Mir ist nur Zuverlässigkeit, dass technisch einwandfrei ist und sich Rostbaustellen bilden, bzw. ausbreiten. Andererseits sind mir gammelige Teile im Motorraum ein Graus.


    Womöglich habe ich den Begriff „Choke“ falsch verwendet - vermutlich aus Gewohnheit. Rechts neben dem Zündschloss ist wie von dir beschrieben ein Knopf, den ich zum Starten herausziehen kann. Die weiße Leuchte für die Kaltstarteinrichtung im Tacho leuchtet dann.

    Die Vergaser werde ich die kommenden Tage demontieren, zerlegen und im Ultraschallbad reinigen. Zwei Reparatursätze für den 32 PAITA liegen hier bereits. Hatte das db-Depot so geschlüsselt. Und auch Niemöller schlüsselt die so.

    Ich hoffe, dass sie passen.


    Meine FIN ist übrigens: 111012100946**

    Fabriknummer: 180 941-10-0879**


    Viele Grüße,

    Chris

  • Quote

    Macht es denn Sinn alle Gummiteile im Bereich des Fahrwerks zu tauschen oder würdest du nicht mal so weit gehen?

    Ja, das macht Sinn, wie Gerd es geschrieben hat.

    Aber:

    Quote

    ...auch da muss man erstmal prüfen und im ersten Schritt mal den vollständigen Abschmierplan machen. Dann mal ausgiebig fahren, sehen und hören…

    Ich würde (und mache das gerade bei einem W108) erstmal das Fahrzeug bewegen und schauen, was passiert. Nicht gleich kampfschrauben und alles stumpf zerlegen. Das Fahrwerk kann man auch schön Stück für Stück in Stand setzen, ohne das Fahrzeug für Monate (Jahre?) in eine Immobilie zu verwandeln.

    Das wichtigste ist erst mal: Technik funktionabel machen/erhalten, Istzustand konservieren.

    Quote

    Wie würdest du den Motorraum mit Owatrol angehen?

    Nun, ich kenne dein Fahrzeug nur von den Bildern.

    Im Prinzip das angerostete Teil reinigen, losen Rost abbürsten, erhaltene Oberflächen reinigen/polieren, dann Owatrolöl mit Lappen oder auch Pinsel sättigend auftragen. Das hält nicht ewig vor, bremst aber die Korrosion nachhaltig und sieht nicht schlecht aus.


    Wenn bei dir eine Patinaintoleranz diagnostiziert wurde, kann das natürlich zu akuten Unzufriedenheitsschüben führen.


    Du könntest aber Abschnitt für Abschnitt an der Perfektion arbeiten, ohne jahrelang auf das Fahrvergnügen verzichten zu müssen.

    Gute Grüße
    Uli


    "Spaltmaße sind überbewertet."

  • Wenn bei dir eine Patinaintoleranz diagnostiziert wurde, kann das natürlich zu akuten Unzufriedenheitsschüben führen.

    ....du kannst anstatt Owatrol die fraglichen Stellen nach der Rostbehandlung auch mit dem farblich passenden Lack überdecken, das wäre dann etwas ästhetischer. ;)


    Auf alle Fälle solltest du mal die Batterie ausbauen und die darunterliegende Stoßdämpferaufnahme begutachten. Dort könnte übergelaufene Batteriesäure für Ungemach gesorgt haben....


    PS: Trage deinen Namen in die automatische Signatur ein, dann brauchst du zukünftig nicht mehr daran denken zu "unterschreiben".

  • Hallo Chris,

    die Heckflosse ist den Bildern nach zu urteilen in einem sehr guten Zustand. Ich an deiner Stelle würde alle technischen Mängel beseitigen, eine Hohlraumversiegelung durchführen und den Motorraum mit Owatrol konservieren und dann fahren, fahren, fahren. So habe ich es mit meinem 220SEb auch gemacht und es nicht bereut. Klar, wird mal jedes Jahr die ein oder andere Kleinigkeit zu reparieren sein, aber besser als ein gutes Auto komplett zu zerlegen und zu restaurieren. Den Gegenwert für die Investitionen kriegst Du nie wieder raus, mal abgesehen von dem enormen Zeitaufwand. Viele dieser Totalrestaurationen landen nach Jahren, wenn sich die Lebensumstände geändert oder die Lust verloren gegangen sind als Schlachter oder zum Wiederaufbau für kleines Geld in den Verkaufsanzeigen.

    Gruß Peter

  • Hallo Chris,


    den Rost sanft abbürsten und die Teile mit Ovatrol behandeln wie vorgeschlagen ist sicher eine gute Idee.

    Zum Vergaser habe ich mich nochmal schlau gemacht, tatsächlich hat der 220 S serienseitig keinen“Choke“, aber es gab ihn als Sonderausstatung für Kaltländer oder später als Nachrüstlösung, wenn die Startautomatik es nicht mehr richtig tat.

    Nach der Fahrgestellendnr. 00946 müsstest Du tatsächlich einen sehr frühe Flosse haben, Bauzeit Ende 59 oder Anfang 60


    Gruß Uli

    Uli aus München, 220b, BJ.65

  • Gibt’s ein Bild von den Scharnieren der Motorhaube? Bei den ganz frühen Flossen sahen die anders aus als später.


    Sehr frühe Flossen sind auch sehr selten. Kenne hier eine, die über die Jahre erhalten wurde aber wahrlich nicht so gut aussieht, wie Deine,


    Grüße Gerd

  • Schönen guten Abend zusammen,


    ich werde euren Empfehlungen folgen und kosmetische Dinge ganz behutsam angehen. Das ist für mich ein Lernprozess. Aber ich mache Fortschritte! :)


    Es gibt noch ein paar Unklarheiten zur Funktionsweise der Kupplungsbetätigung. Welches Bauteil sorgt nach dem Betätigen des Kupplungspedales dafür, dass Selbiges wieder hochkommt? Ist das lediglich die kleine Zugfeder am Nehmerzylinder? Deren Kraft arbeitet dann ja gegen die Federkraft, der Druckfeder, welche am Pedal selber montiert ist, sofern der eine gewisse Punkt der Pedalstellung überschritten ist. Ich hoffe ihr wisst, was ich meine.


    Anbei wie gewünscht zwei Bilder des Haubenscharniers.

    Freut mich zu hören, dass ich eine Perle ergattern konnte, wenn ich euch richtig verstanden habe.


    Viele Grüße,

    Chris

  • Hallo Chris,

    das Pedal wird letztendlich über die Federn der Druckplatte in der Kupplung selbst zurückgeschoben, die über die Hydraulik( Nehmer, Leitung, Geber) auf das Pedal wirken. Die kleine Feder am Nehmer zieht nur die Ausrückgabel in ihrem Spiel auf die Ausgangsposition, hat nur geringe Kraft.

    Am Pedal selbst ist die Übertotpunktfeder. Die unterstützt die Fußkraft ab der Überwindung des Totpunktes, und erst wenn das Pedal durch die Hydraulik wieder über den Totpunkt zieht sie da Pedal hoch und hält es. Merkt man z.B. wenn Luft in der Hydraulik ist, dann bleibt das Pedal unten, und wenn man es mit dem Fuß hochzieht, dann „schnalzt“ es nach Überwindung des Totpunktes zurück. So jedenfalls meine Deutung nach leidvoller Erfahrung.


    Gruß Uli

    Uli aus München, 220b, BJ.65

  • Hi Uli,


    das Zurückschnalzen kann ich bei mir auch beobachten. Ich habe heute versucht am Nehmer- und Geberzylinder zu entlüften. Da kommt keinerlei Luft. Die Kupplungsbetätigung funktioniert auch tadellos mit einem reproduzierbaren Schleifpunkt. Nur bleibt das Pedal eben unten, sofern ich es komplett durchtrete. Die Kupplung trennt aber bereits vor dem Totpunkt und so lässt sich mit etwas Gefühl fahren (habe das Auto ja auf eigener Achse abgeholt).

    Da weiter oben die Rede von nicht lang haltenden Repro-Teilen war, habe ich jetzt beide Zylinder und den Schlauch bei MB-Classics in OEM-Qualität neu bestellt. Ich hoffe sehr, dass nach dem Tausch der Teile dann Ruhe ist. ;)