Was heißt hier totrestauriert?

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  • Was heißt hier totrestauriert?

    Hallo, zusammen,

    auch hier liest man ja immer mal wieder mehr oder weniger abwertende, zumindest aber kritisch erscheinende Äußerungen über Komplettrestaurierungen mit dem Endergebnis "Neuwagenzustand". Da wird dann von tot restauriert gesprochen, davon, dass solche Autos ohne Patina seelenlos und ohne jede Ausstrahlung sind und man so etwas nie haben wolle, weil doch der eigene Zustand-drei-oder weniger-Benz viel mehr Authentizität vermittle undsoweiter undsofort...
    In diesen Momenten stelle ich mir immer folgende Fragen:
    - Ist das jetzt nur Neid - insbesondere, wenn man auf den Fuhrpark so manchen Kitikers schaut?
    - Wieviel weniger Fahrzeuge würde es wohl geben, wenn es keine Enthusiasten gäbe, die sie durch einen (auch kostspieligen) Neuaufbau vor dem ansonsten zustandsbedingt früher oder später unweigerlich anstehenden Tod durch die Presse retten würden?
    - Wie soll man denn eine Restaurierung vornehmen, wenn das Gesamtergebnis in sich stimmig sein soll? Ein nötig gewordener neuer Lack passt nunmal nicht so wirklich gut mit Pickelchrom und matten Scheinwerfern zusammen - nur so als Beispiel.

    Nicht falsch verstehen. Ich finde unberührte Fahrzeuge mit echter Patina toll. Sie sind halt sehr selten. Aber neu aufgebaute Autos finde ich mindestens genauso gut. Und bei denen kommt hinzu, dass ich weiß, dass es sie ohne diesen Neuaufbau wohl früher oder später nicht mehr geben würde. Also quasi ein aktiver Akt der Bestandserhaltung durch ihre Besitzer. Und daher im Endergebnis für mich höher einzustufen als (nur) der Kauf eines fertigen Autos.

    Und jetzt würde mich eure Meinung intetessieren.

    Gruß

    Ulli
    230 SL 10/63
    220 SE 07/64
    - irgendwas ist immer...
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  • Servus Ulli,
    ...ich halte es da mit dem bayrischen Spruch.... leben und leben lassen.
    Soll heißen jeder soll, nach seinen Möglichkeiten sein Hobby ausleben.
    Es gibt Oldtimer die jemand in mühevoller Arbeit wieder in einen Neuwagenzustand gebracht hat, wenn ich solch ein Auto anschaue und mir die Arbeit die darin steckt vergegenwärtige, geht mir nur der Gedanke...wow wie geil ist dass denn.... durch den Kopf.

    Andere haben ein sehr gutes Auto im Originalzustand mit leichten Gebrauchsspuren, da wäre es schon eine Sünde das auf neu aufzupimpen.

    Für manche ist ein Auto, auch ein Oldtimer einfach ein Gebrauchsgegenstand, der technisch in Ordnung sein muss, aber das eine oder andere Rostfleckerl ist da nicht entscheidend. Solche Autos haben auch einen Charme. Warum soll ein altes Auto nicht auch so ausschauen. Den meisten Menschen sieht man ihr Alter ja auch an :)

    Für mich sollte ein Auto so aussehen, das ich mich darin wohlfühle, das ist der Fall wenn es mittelmäßig gut ausschaut (kein sichtbarer Rost, schöner Lack, technisch in Ordnung und keine verschlissene Innenausstattung).

    Viele Grüße
    Herbert
  • Hi Ulli,

    ich weiss jetzt nicht, ob Du da etwas zuviel auf die Goldwaage legst...

    Für mich persönlich kommt ein auf 1 oder 1-2 restaurierter Wagen nicht infrage. das hat nichts mit 'totrestauriert' oder 'seelenlos' zu tun, sondern ist einfach meinem persönlichen Handicap geschuldet.

    Ich würde so ein Fahrzeug einfach nicht mehr nutzen aus Sorge um Auto und Zustand. Eine Parkremplerbeule würde ich (über-) dramatisieren. Somit wären öffentliche Parkplätze bzw. der gesamte öffentliche Verkehrsraum feindliches Gebiet.

    Ich nuss/musste mich einfach entscheiden, wo für mich der höhere Genuss liegt. An der reinen Freude an einer wunderschön anzusehenden 'Immobilie' oder im hedonistischen Erlebnis bei - je nach Lust und Laune - jederzetiger Verwendung.

    Meine Entscheidung ist gefallen. Ich habe persönlich mehr Freude am fahren.

    Trotzdem freuen ich mich, wenn ich einen stilgerecht restaurierten Oldtimer sehe.
    Gruß

    Uli aus S
  • Hallo (Pagoden) Ulli

    Ich habe den Begriff „totrestauriert“ öfter verwendet. Wenn ich Deine Gedanken so verfolge, muss ich gestehen, dass das meinerseits ziemlich leichtfertig war. Aus Deinem Blickwinkel habe ich die Sache so noch nicht betrachtet.

    Neid kann ich für meine Person ausschliessen. Denn wenn ich es mir recht überlege verwendete ich den Begriff eher bei der Begutachtung von Fahrzeugen des einen oder anderen Mercedesfreundes, im besonderen dann, wenn der Gesprächspartner bzw. Eigentümer mit seinem eigenen Fahrzeug zu kritisch ins Gericht geht.

    Ich hoffe, ich bekomme diesen wenig aussagefähigen Begriff wieder aus meinem Gehirn.

    Danke für diesen Gedankenanstoss.
    Viele Grüsse

    Winfried

    300 SE W112 Cabrio M189 Automatik Fahrgestellnummer ...9840 Ende 1967

    mercedes(affe)gehrmann-privat.de
  • Hallo allerseits,
    jeder so wie er mag und kann,
    Und Wenn nicht alles neu soll gibt es ja immer noch die Möglichkeit eine etwas zu gelungene Oberflächenbehandlung durch temporäre Dreitagepatina anzutarnen ;)
    Die seinerzeit üblichen Hinweise in Form von der muss aber mal gemacht werden fand ich allerdings auch immer etwas unpassend.
    Gruß HaWA
  • Moin,
    ich glaube, im Grunde sind wir uns da alle einig - zumindest haben sich hier im Forum noch keine gegenteiligen Äußerungen eingefunden, soweit ich mich erinnere.
    Ob nun „der issja totrestauriert“ oder „der muss aber mal gemacht werden“, in beiden Fällen ist das Unerträgliche daran aus meiner Sicht, dass sich überhaupt jemand anmaßt, eine solche Äußerung, womöglich in voller Absicht in Anwesenheit des Besitzers, von sich zu geben.
    Es sind diese widerlichen Erbsenzähler, die selbsternannten Gralshüter, die mir dann und wann die Laune verhageln können. Die „das war noch Blech“-Klopfer sind zwar auch lästig, aber wenigstens meistens keine mürrischen Besserwisser.

    Ich bin wirklich sehr gespannt auf die Kommentare dieser clubkrawattierten Nölpferde, wenn ich eines schönen Tages mit meiner selbstgezimmerten Flossencouperanzbimmel auf den Rasen eines MB-Treffens geschraddelt komme. Nur, dass es dann freudige Erwartung sein wird! :thumbsup:

    Beste Grüße
    Lutz aus dem Provokantenstadl
  • Hallo,
    da denke ich eher, daß es sowohl als auch geben sollte. Den Benz im jahrelang gepflegten Originalzustand ohne wegrostende Bleche sowie Leder ohne Risse bewundere ich, da diese Spezies eher megaselten geworden ist genauso wie die, welche aus einem Klumpen Schrott in unzähligen Stunden ein Fahrzeug im Neuzustand auf die Beine gestellt haben. Wie Ulli sagte, die wären sonst in der Presse oder im Teilehandel gelandet. Und damit meine ich die Privatleute, die sich auf die Suche nach Teilen, Lackierer, Verchromer, Sattler usw. gemacht haben und nicht die Gewerblichen, die mit 20 Angestellten ein Fahrzeug restaurieren, um es dann zu Mondpreisen anzubieten. Dabei fällt mir grade der Spruch eines Altmeisters ein, der mir in einemTelefongespräch sagte: " es gibt ja welche, die meinen, ein bisschen Neulack, Weisswandringe und Sitzbezüge, dann habe ich einen top restaurierten Oldtimer - die sind mir ein Graus" - dem kann ich allerdings nur beipflichten. Wenn schon, dann richtig und wenn es je nach Zeit und Geld auch Jahre dauert ;) Und wenn einer ein Rattlecar mag, ja warum denn nicht ? Auch das hat seinen Reiz.
    schönes WE
    Ralf
  • Irgendwie sind wir uns hier ja wohl alle in mehreren Meinungen einig - das ist das, was zählt. Jedem das Seine!
    Ich habe meinen 6.3 vor gut 20 Jahren mal - weil leider notwendig - auf neu restauriert. Auf neu, weil das so mein Ding ist. Ganz oder gar nicht. Also trotz Unfallfreiheit und fehlender Durchrostung auf komplett nackter Karosse (selbst gemacht) neu aufgebaut. War trotzdem sauteuer, gebe ich zu. Dann habe ich ihn stets weiter benutzt. Wozu es einen 6.3 gab, also halt zz wie ziemlich zügig. Das Velours war noch okay, daher blieb es so lange, wie es irgend ging. Jetzt nach fast 50 Jahren war es einfach leider abolut tot und musste neu. Schade dum, aber so kommt es.
    Später habe ich meist Autos gekauft, die mit wenigen Kilometern ohne Stand-Leichen zu sein da standen. Es ist echt mega geil, einen 500 E W 124 1. Serie 1. Hand 1. Lack fahren zu dürfen, der wie ein Jahreswagen riecht und fährt. Da muss man auch immer was dran tun, damit es so bleibt, aber ich habe nicht gezuckt, als der Tacho irgendwann die 50.000 überschritt. Ich liebe dieses Auto! Vor allem wenn es fährt! Es gibt Leute, die solche Autos - oder sogar "alte Neuwagen" - in einem Raum stehen haben, in dem in der Mitte eine Sofa-Garnitur mit Kühlschrank steht. Sehr geil, nicht mein Ding, aber für mich echt okay.
    Da gibt es noch ein Auto, das irgendwann die 10.000 km knackt, das überhaupt zu bewegen verstehen die meisten Leute nicht, aber ich will meine Autos eh nicht verkaufen, also was solls. Man lebt nur ein Mal.
    Das mal so von einem, der grade eigenhändig einen W 124 400 E 6.0 AMG komplett zerlegt... Muss sein, hat nur zwei kleine Durchrostungen, ist aber (leider) reif... War in dem Zustand (s. o.) nicht zu bekommen :)
    Viele Grüße von der südlichen Nordsee

    Jörg Hatscher
  • zum Glück gibt's niemand, der einem vorschreibt, wie man zu restaurieren hat und ob überhaupt! Jeder so wie er mag, ist das Entscheidende. Für mich sind alle meine Fahrzeuge vor allem Fahrmaschinen und keine Museumstücke oder Garagengold.
    Ich kenne noch bestens die Zeiten, wo besser als ladenneu angesagt waren. Seit ein paar Jahren wird "Patina" über die Maßen strapaziert. Man sollte nicht jedem Modetrend hinterher laufen, sondern sein eigenes Ding machen. Letztlich ist es auch eine Frage des Aufwands und der Kosten, die im Rahmen bleiben und den Zeitwert nicht zu sehr überschreiten sollten.
    Gruß Peter
  • Ich sehe das wie Ulli. Fahrzeuge, die durch Patina gewinnen, sind exrem selten. Das sind nämlich nur solche, die durch geringe Laufleistung, Ersbesitz, Rostfreiheit usw zusätzlich glänzen. Es drängt sich tatsächlich der Verdacht auf, dass diejenigen, die die komplett restaurierten Fahrzeuge kritisieren, erkannt haben, sich aber nicht eingestehen können, dass ihr 3 ´er der Traum vom Oldtimer nie sein wird. Ich jedenfalls fahre mit meinen auf Top restaurierten Fahrzeugen zur Arbeit, auf den Supermarkt Parkplatz, vollbeladen in den Urlaub ...Dafür wurden sie schließlich mal gebaut.
    Auch ein schönes WOE
    Lutz
  • Moin an diesem sonnigen Sonntag!
    Oft sollten es nicht kalkulierbare, zufällige Events sein, die zum Total-up-dating führen.
    Bei mir gabs 5327 nur in verbraucht, bis auf das Eisen. Jörg wollte nicht verkaufen (siehe oben) und Hans-Werner faselte etwas von einem grunsätzlich vertrauenswürdigen US-Bürger (ohne zu wissen, was er mir damit antat).
    5327 gab es nicht, wie ich ihn wollte und er jetzt vor der Tür steht. Da wurde der (lange ) Weg immer klarer.
    PS: bei einer grauen Rennsemmel würde mir das aber NIEMALS einfallen.
    BG OLIVER
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    Olli

    ..mit DER Lösung kann ich nicht leben, ich will mein Problem zurück.....
    :thumbsup:
  • nordhorst schrieb:

    Ob nun „der issja totrestauriert“ oder „der muss aber mal gemacht werden“, in beiden Fällen ist das Unerträgliche daran aus meiner Sicht, dass sich überhaupt jemand anmaßt, eine solche Äußerung, womöglich in voller Absicht in Anwesenheit des Besitzers, von sich zu geben.


    Die „das war noch Blech“-Klopfer sind zwar auch lästig, aber wenigstens meistens keine mürrischen Besserwisser.

    Ich bin wirklich sehr gespannt auf die Kommentare dieser clubkrawattierten Nölpferde, wenn ich eines schönen Tages mit meiner selbstgezimmerten Flossencouperanzbimmel auf den Rasen eines MB-Treffens geschraddelt komme. Nur, dass es dann freudige Erwartung sein wird! :thumbsup:

    Beste Grüße
    Lutz aus dem Provokantenstadl
    Meiner Erfahrung nach sind die, die mal ein richtig grosses Faß aufgemacht haben und eine perfekte oder nahezu perfekte Resto hingelegt haben eher bescheiden mit Ihren Äusserungen.
    Hingegen haben die die Klugsch...er selbst meist nur wenig zustande gebracht.
    Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
    Solange ein Mercedes sicher ist kann ich an jedem Projekt, unabhängig von Budget und Zeitaufwand, Gefallen finden.
    Die Ratte wird m.E. sowieso gnadenlos gut.
    Viele Grüsse

    Winfried

    300 SE W112 Cabrio M189 Automatik Fahrgestellnummer ...9840 Ende 1967

    mercedes(affe)gehrmann-privat.de
  • Petermaennchen schrieb:

    ...dass ihr 3 ´er der Traum vom Oldtimer nie sein wird....
    Wieso nicht? ?(

    Das verstehe ich jetzt nicht ganz. Wie hast du das gemeint?

    Es gelten in der Olddaimler-Welt also nur 1+-Restos und Erstbesitzer-Gemmen, der Rest ist für die Tonne?

    Also quasi a la "Mens Health": Nur der durchtrainierte, Gucci-beduftete und Breitling-geschmückte Body zählt, allenfalls noch mit graumeliertem Haupt, während das kleine Bierbäuchlein sich im Keller verstecken soll? ;)

    Ich denke, wenn man selbst weiß, wie man sein Fahrzeug einzuordnen hat, kann man durchaus auch an unperfektem seine Freude haben, ja sogar ein wenig stolz darauf sein. IMHO gehört ein wenig mehr dazu, einen 3er Oberklasse-Benz selbst am tadellosen Funktionieren zu halten als mit dicker Brieftasche sich beim Kienle einen W112 incl. Rundum-Sorglos-servicepaket rauszulassen. Was auch legitim ist für den, der´s kann.

    Ansonsten stimme ich zu:

    winfried schrieb:

    Meiner Erfahrung nach sind die, die mal ein richtig grosses Faß aufgemacht haben und eine perfekte oder nahezu perfekte Resto hingelegt haben eher bescheiden mit Ihren Äusserungen.
    Hingegen haben die die Klugsch...er selbst meist nur wenig zustande gebracht.
    Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
    Solange ein Mercedes sicher ist kann ich an jedem Projekt, unabhängig von Budget und Zeitaufwand, Gefallen finden.
    :thumbup:

    Schlecht teillackierte Grüße von
    Uli
    Gute Grüße
    Uli

    "Spaltmaße sind überbewertet."
  • nordhorst schrieb:


    Ob nun „der issja totrestauriert“ oder „der muss aber mal gemacht werden“, in beiden Fällen ist das Unerträgliche daran aus meiner Sicht, dass sich überhaupt jemand anmaßt, eine solche Äußerung, womöglich in voller Absicht in Anwesenheit des Besitzers, von sich zu geben.
    Der Satz bringt es m.E. auf den Punkt - jeder, wie er kann und möchte.

    Für mich persönlich ist es das wichtigste, das Schätzelein regelmäßig zu fahren. Das war oldtimermäßig als Student mit grottig schlechten /8ern nicht weniger der Fall, als seit 2006 mit jederzeit rollender W108-Restauration, die immer noch nicht "fertig" ist. "Fertig" wird der Wagen aber hoffentlich (!) nie und zum Totrestaurieren fehlt mir auch schlichtweg Zeit, Können und Kohle. Mit Aussagen wie "Oh, da musst aber nochmal ran" u.ä. muss und kann ich leben.

    Dennoch: Bei Treffen, Messen u.ä. tun mir persönlich die Fahrzeuge leid, die auf dem Trailer angekarrt werden, mit weißen Handschuhen runter- und anschließend wieder raufgeschoben werden und dann wunderschön & perfekt aber völlig nutzlos in der Sonne glänzen. Manchmal meine ich ein Flüstern zu hören... "Oh Mann, wie gerne würde ich einfach noch einmal fahren, statt nur teuer herumzustehen!"


    Ullis Frage zu Beginn nach Neid? Ich weiß nicht wirklich, manchmal schon - aber eher nicht.
  • Hallo Namensvetter Uli,

    ich glaube, so war es ganz sicher nicht gemeint. Und generalisieren sollte man ohnehin nicht. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, die der von Lutz geschilderten Vermutung sehr nahe kommt. Aussagen wie tot- oder überrestauriert habe ich in der Regel von Personen wahrgenommen, die sich der Aufgabe einer Komplettrestaurierung aus verschiedensten Gründen nie gestellt haben und auch nie stellen werden. Für mich ist das häufig schon so ein bischen Neid-bashing. Etwas provozierendes, aber tatsächliches Beispiel: Restauriertes Fahrzeug, Motorhaube geöffnet. Dar Motor ist kpl. neu gemacht, Leitungen und einige Bauteile sind, so wie es damals der Auslieferung entsprach, gelbverzinkt. Unmittelbar nach der Gelbverzinkung wirkt das manchmal etwas gülden, lässt aber bald nach. Davor ein Endzwanziger mit Kumpel, unterwegs wohl mit einem /8 im normal fahrbereiten Zustand. Aussage: "Mein Gott, völlig überrestauriert. Würde ich nie mit rumfahren." So erlebt in Ornbau vor einigen Jahren. Und tendenziell ähnliche Aussagen finden sich immer mal wieder hier im Forum. Wilfried hat es mit der von dir zitierten Aussage auf den Punkt gebracht: Da wird von Leuten ein Statement abgegeben, die gar nicht wissen, wovon sie reden. Zumindest auf einen Teil trifft das zu. Patina-Gralshüter lasse ich mal außen vor
    Für meine Flosse habe ich sieben Jahre gebraucht, bis der Neuaufbau fertig war. Das ist verdammt lang und bedeutet einen langen Atem haben zu müssen. Da geht es nicht nur um finanzielles. Und wenn man um all diese Dinge weiß, können einen solche Aussagen von tot- oder überrestauriert schon mal ärgern. Erst recht, wenn man annehmen darf, dass besagte Kritiker es selbst wohl nie auf die Reihe bekommen würden.

    Das Restaurierungsergebnis Note 1 hindert mich übrigens nicht daran, meine Autos artgerecht zu bewegen, wenn nötig, auch unabhängig vom Wetter.

    Gruß

    Ulli
    230 SL 10/63
    220 SE 07/64
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  • Hi,
    die anderen sind doch in der Beurteilung (fast) egal. Gut, ein wenig Eitelkeit schwingt -je nach Modell- mehr oder weniger auch mit.

    Das tägliche Bewegen löst bei 109.018 schon leichte Kapitalverschiebungen aus. Ich zahl das ja aus versteuertem Netto. Das Fahren scheint wohl mir und den meisten sehr wichtig, bei mir TKM 8-10/p.a.; gerade akzeptabler Mindest-Kompromiss für MICH.

    Einen Punkt möchte aber noch anfügen, der für mich auch wichtig ist. Ich fahre sehr gern, mindestens genauso gern bastele ich aber, ohne jeden Zeitdruck, gern auch unter Aufsicht, wenn das passt in netter Runde. Das mag bei Fahrern anderer offener Baureihen nicht immer o sein, als LimoFan falle ich aber sowieso nicht so auf.
    Beim Basteln kommen die Menschen zusammen und vertreiben Zeit auf sinnreiche Zeit. MIR ist der Weg (und die Menschen dahin) wohl wichtiger als das fertige Produkt.

    Weshalb man ja ab und zu auch mal wechseln kann und muß. :)

    PS: eines der besten und ewigen Cafe-Themen! Danke fürs Cafe-Aufwärmen.
    Olli

    ..mit DER Lösung kann ich nicht leben, ich will mein Problem zurück.....
    :thumbsup:
  • Hallo Ulli,
    hallo allerseits,


    mein im Avatarbild zu sehender 350 SL ist ja auch eine totrestaurierte, seelen- und geschichtslose Angeberkarre :rolleyes:

    Oder nicht?

    Nein, das ist sie nicht. Ich habe mit meinem alten Herrn und ein paar weiteren Mitstreitern (hallo Oliver :) ) zehn Jahre an dem Wagen gearbeitet. Das bedeutet, dass der SL, noch bevor er die ersten Meter aus eigener Kraft gefahren ist, schon eine Geschichte bekommen hat. Und zwar eine echte Erfolgsstory :whistling:
    Zustandsnoten hin und blöde Kommentare her: diese lange Zeit der Restauration war eine tolle Zeit, mit interessanten Menschen, spannenden Erfahrungen, viel angeeignetem Wissen und jeder Menge Spaß (und manchem Frustbier). Das Erlebte kann mir niemand nehmen, und das ist ein schöner Gedanke.

    Letztes Jahr - ich war gerade auf dem Weg, das Ornbau-Gepäck ins Auto zu laden - hat mir ein Propellerauto die Vorfahrt und somit den Boliden für knapp zwei Monate aus dem Rennen genommen. Ärgerlich - ja, aber in der zweiten Hälfte des letzten Jahres habe ich drei Menschen aus meinem nahen, nächsten und erweiterten Umfeld verloren. Und das hat die Dinge in meinem Kopf wieder etwas gerade gerückt: es ist ja nur Blech; es gibt wichtigeres im Leben.
    Jetzt bin ich mehr bei Uli aus S: wenn ich Cabrio fahren will, dann fahre ich Cabrio. Dafür habe ich es einstens gekauft, und dafür habe ich es restauriert. Wenn es regnet, regnet es halt und ich mache das Dach zu. Wenn es dreckig wird, dann wird es halt dreckig (solange, bis mein alter Herr es wieder sauber macht :whistling: ).
    Und so denke ich habe ich den maximalen Spaß mit dem Auto. Und nur das zählt. Dieses Jahr bin ich schon 1200 km gefahren - und es werden noch ein paar dazukommen...


    Beste Grüße

    Markus
  • Es ist womöglich auch einer in unseren Breiten öfters anzutreffenden Mentalität geschuldet, die meint, das Tun anderer stets kommentieren und beurteilen zu müssen (es soll sich hier aber nun bitte niemand auf den Schlips getreten fühlen). Das gibt es woanders auch, empfinde ich aber im deutschprachigen Raum relativ stark - was daran liegen mag, dass ich woanders kaum Erfahrung habe und daher sehr subjektiv argumentiere. In den USA und anderen angelsächsischen Regionen scheint es mir da etwas "offener" zuzugehen, dafür gibt's andere Dinge, die weniger gut sein mögen.

    So gesehen könnte man sagen, dass auch hier Licht und Schatten zusammengehören: Wenn man sich grundsätzlich über ehrliches Interesse an seinem Objekt freut, kann es natürlich auch Missfallen oder negative Kritik geben, die einen dann härter trifft, als die Positive einen freut.
    Aber Ehrlichkeit macht in meinen Augen das Positive wertvoller als mehr oder weniger flos(s)kelhaftes Daumenrecken.

    Wenn aus negativer Kritik nur Neid spricht oder Unkenntnis und Hinterherplappern von Modeströmung, janu, das überlebe ich.

    Wenn einer meint, dass Ullis Flosse totrestauriert ist, so mag das vielleicht auf den Arbeitsaufwand zutreffen, im Sinne einer "Mordsarbeit", die er da geleistet hat, um eine Heckflossenlimousine wieder so erstrahlen zu lassen, wie man sie hätte kaufen können -
    Allen Grund, stolz zu sein, meine ich!
    Gruß
    Paul
  • Na, dann habe ich das etwas in den falschen Hals bekommen, lieber Pagoden-Namensvetter.
    Da sind scheints alle nicht so weit auseinander. Es hat alles seine Berechtigung, die besser-als neu-Resto, der Ist-zustand-Bewahrer und alle andern dazwischen. So habe ich das auch immer bei Treffen in Ornbau erlebt. Jeder kann nach seiner Fasson, usw.
    Mir gehen nur die Leute auf den Senkel, die meinen, sie haben die Weisheit und die Kompetenz gepachtet, anderen sagen zu können wie der Hase laufen soll.
    Seit drei Jahren macht sich z.B. ein zölliges Fremdfabrikat bei mir in der Werkstatt breit, und eine Einser-Restauration wird das bei weitem nicht, wenn es mal fertig werden sollte.
    Darum ziehe ich meinen Hut vor jedem, der das selber konsequent durchzieht, dazu noch bei einem so komplexen Fahrzeug wie einem Oberklasse-Benz. Da ist mein englischer Patient nämlich ein Ochsenkarren dagegen.
    Totrestauriert?
    Tot ist nur, was sich nicht mehr wirklich bewegt, ob restauriert oder nicht.
    Alles andere ist Geschmackssache.
    Gute Grüße
    Uli

    "Spaltmaße sind überbewertet."
  • Hallo,

    ich denke, dass niemand einen schönen Patina-Wagen "totrestaurieren" würde. Für mich wäre ein solcher Wagen auch nicht erschwinglich gewesen.
    Mein Projekt dauert aber sicher auch noch etliche Jahre. Kommt halt immer etwas dazwischen. Insgesamt muss ich aber auch gestehen, dass der Weg das Ziel war. Fachwissen erwirbt man in der Regel durch Praxis.
    Ich glaube, wenn jemand seinen Oldi in Eigenregie "totrestauriert" hat, bleibt er auch dauerhaft in gutem Zustand. Schließlich kennt sich der Besitzer danach bestens aus. Somit sichert man die Existenz eines weiteren Fahrzeugs und erwirbt Wissen, dass auch die Fahrer von Patinafahrzeugen nutzen können. Durch Ulis Erfahrungen kann er hier wertvolle Tipps geben. Das kommt dann allen Fahrzeugen zu gute. Also profitieren eigentlich wieder alle Fahrzeuge...

    ___________________________________________________________________________________________________
    RRR
  • Moin Binford,

    naja, leider war es in den Jahrzehnten vor dem aktuellen Patina-Hype durchaus üblich, auch sanft patinierte Wagen als "ideale Restaurationsbasis" zu vermarkten, und dann einer 100%-Restaurierung zu unterziehen.
    Ich kann mich auch noch gut an ein Gespräch mit einem Nobel-Oldtimerhändler in HH erinnern, der mir erklärte, dass z.B. 111/112er Cabrios und vor allem Pagoden quasi generell neue Innenausstattungen verpasst bekamen, egal wie gut die alten noch waren. Grund: die Käufer (bzw. die Gattin, die das Auto bekommen sollte) wünschten dies so, diese Klientel wolle sich nicht so gern auf gebrauchte Polster setzen.

    Gut, dies mag sich inzwischen zum Glück geändert haben. aber dieser Perfektionswahn hat sehr sehr vielen Wagen die Geschichte geraubt, ob wohl es weder technisch noch optisch wirklich nötig war. Speziell dort, wo Geld keine große Rolle spielte bzw. vornehmlich Scheckbuchrestauratoren unterwegs sind.
    Sicher sind solche "besser als neu" aufgearbeiteten Wagen quasi für die Ewigkeit haltbar gemacht, und tragen somit womöglich länger zur Erhaltung technischen Kulturgutes bei als "nur" instand gehaltene Autos.
    Problem dabei ist, dass nur sehr wenige (wenn überhaupt) Restaurateure einen echten Origininalzustand wiederherstellen können, weder als Privatmann, noch als Profi. Der Spruch "Originalzustand ist nicht reproduzierbar" trifft es sehr gut.
    Ein Restaurateur weicht eigentlich IMMER vom Original-Auslieferungszustand ab, schon allein weil die heute zur Verfügung stehenden Materialien, Produktions- und Betriebsmittel nicht dieselben sind (bzw. sein können), wie sie vor 50 Jahren im Werk gegeben waren. Besser als neu ist schließlich auch nicht original!
    Jeder arbeitet spätestens im Detail nach eigener Facon, ob nun mit Absicht, oder weil er es nicht besser weiß, oder es nicht besser kann. Wer z.B. seine Karosse im Tauchbad entlacken lässt, macht dies natürlich in bester Absicht, keine Frage. Aber er wird anschließend den Unterbodenschutz und die Nahtversiegelungen niemals mit demselben "Schwung & Pinselstrich" auftragen wie der Werker seinerzeit in Sindelfingen. Nicht besser oder schlechter, aber eben "anders". OK, mag ein kleinliches Beispiel sein, aber letztlich wird an ein sogenanntes Zustand 1-Auto ja genau dieser Maßstab angelegt - und anschließend entsprechende Auspreisung vorgenommen...
    Deshalb kann es m.E. keine echten Einser geben, auch nicht von einem Kienle und Consorten. So etwas kann nur ein Wagen sein, der vom Band direkt ins Museum gerollt ist - und selbst dort altert und verändert er sich, spätestens durch seine Instandhaltung.

    Patina und Totrestaurierung sind halt Ansichtssache. Meine Flosse war leider in jeder Komponente zu verrottet, da war nix groß zu konservieren/erhalten - auch ganz objektiv betrachtet war es halt ein komplettes Wrack. Ich habe sie dann nach bestem Wissen und Gewissen wieder hergerichtet, bin zufrieden mit dem Ergebnis, weiß aber auch, dass ich an einigen Stellen mehr oder weniger stark vom echten Originalzustand abgewichen bin. So what - ist doch mein Auto! Und es ist nunmal : nur ein Auto.

    Beste Grüße,
    Lutz
  • nordhorst schrieb:

    ... So what - ist doch mein Auto! Und es ist nunmal : nur ein Auto.

    Beste Grüße,
    Lutz
    Eigentlich ist es doch so, dass dieses ganze Oldtimerhobby von vielen viel zu ernst und sogar verbissen gesehen wird. Ich musste mir mal vor Jahren von einem Gralshüter einen heftigen Vortrag anhören, weil an meinem Touren-AWO-Gespann die Speichen verchromt statt schwarz und die Zierlinien golden statt weiß-braun sind. Da fielen sogar Worte, die mindestens eine Beleidigungsklage, eher schon eine deftige Ohrfeige gerechtfertigt hätten. Ich sah davon ab, da der Herr mindestens 40 Jahre älter war als ich.
    Die extreme Preisentwicklung in den letzten Jahren macht diese Spezies natürlich nicht lockerer...
    Gute Grüße
    Uli

    "Spaltmaße sind überbewertet."