Wieviel Reibung hat ein neu montierter Borgmannring?

    Wieviel Reibung hat ein neu montierter Borgmannring?

    Haalloo,

    ich habe nochmal Redebedarf über den viel besprochenen Borgmannring :)

    An meinem M129 habe ich einen originalen Daimler Borgmannring montiert.

    Die Montage habe ich teilweise anders gemacht als man sonst so lesen kann:
    - Ringhälften gut eingeölt und in die Nuten gesetzt
    - Mit zylindrischen Hilfswerkzeugen (Durchm. 63,5mm; 64,5mm und 65mm) und mäßigen Gummihammerschlägen die Ringhälften eingedrückt
    - Die Enden mit leichtem Überstand mit ganz scharfem! Messer abgeschnitten ... Soweit kennt man die Montage
    - Dann wurde die Kurbelwelle an der Rändelstelle (Durchmesser 65) mit einem dickeren Papierstreifen (zwei Lagen je ca. 0,15 dick) umwickelt und mit Tesa fixiert.
    - Kurbelwelle verbaut, Ölwanne verbaut und das Ganze einen Tag stehen lassen
    Der Borgmannring wird so nicht freihändisch ungenau eingewalkt sondern mit der Kurbelwelle allseitig lagerichtig verpresst.
    - Ölwanne ab, Kurbelwelle raus und den Papierstreifen entfernt und alles wieder mit neuem Öl und etwas Graphit eingebaut
    und die Reibung kontrolliert:
    Ohne Borgmannring kann ich die Kurbelwelle mit einem bestimmten Schwung z.B. eine Umddrehung anschieben.
    Mit dem Borgmannring ist die Kurbelwelle mit dem gleichen Schwung nach einer drittel Umdrehung ausgelaufen. D.h. die Reibung hat sich etwa verdreifacht.

    Ist das so ok? Hat bei euch der Borgmannring eine vergleichbare Reibung gehabt?
    Ansonsten kann die Prozedur wiederholt werden mit etwas dickeren Papierstreifen oder mit längerem Setzen lassen.

    Gruß, Mertes
    Hallo Mertes,

    Der Borgmannring wird so nicht freihändisch ungenau eingewalkt sondern mit der Kurbelwelle allseitig lagerichtig verpresst.


    Genau so "freihändisch ungenau" ist es im WHB beschrieben, so wurde es ab Werk gemacht und so haben es Generationen von fähigen Motorenbauern Jahrzehnte lang mit Erfolg durchgeführt. Du machst es jetzt besonders genau und gründlich und was ist das Ergebnis? Du weißt nicht, ob der Ring korrekt sitzt oder nicht. Es gibt Dinge, die sollte man einfach das erste Mal unter Anleitung eines diesbezüglich erfahrenen Menschen machen, dabei genau aufpassen und dann weiß man in der Regel, worauf es ankommt. Und dazu gehört auch die Kraft, mit der die Kurbelwelle gedreht werden kann/muß.

    Wie soll man von weitem einschätzen können, ob Deine Kurbelwelle zu straff oder gerade noch straff genug vom Borgmannring umschlossen wird? Wir wissen weder mit welcher Kraft, noch mit welchem Hebel die Welle von Dir angeschubst wird, also wird Dir hier auch keiner verlässlich sagen können, ob es so gut ist, oder ob Du etwas ändern musst.

    PS: Ich mache es übrigens immer "freihändisch ungenau", seit meinem ersten Borgmannring vor über 10 Jahren, es hat immer funktioniert...

    MfG
    Maik
    "Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten, allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren"
    (Gottlieb Daimler)
    moinsen,

    der Ring wird in die Nut gesetzt, ggf. wird er leicht mit dem Hammer geklopft, so dass er gut in die Nut geht. Dann wird er mit dem Hammerstiel eingewalkt. Wichtig ist die Zugabe von z.B. Molykotepaste und Öl beim Einwalken. Die Enden werden mit einem scharfen Messer mit etwas Überstand abgeschnitten und gut. Von Hand gedreht sollte die Welle leicht laufen.
    Das ist es.

    Gruß

    Volker
    gelöscht!

    Neu

    Hallo ihr Spezialisten,

    wie groß ist dann etwa die Reibung bzw. das Reibmoment an der Kurbelwelle im Vergleich ohne und mit Borgmannring?
    Ist die Reibung mit Borgmannring anderthalb mal so groß, doppelt so groß oder dreimal so groß wie ohne BR?

    Hab leider keinen erfahrenen Motorenbauer in der Nähe.

    Gruß, Mertes

    Neu

    Du wirst auf deine Frage keine durch emprisch fundierte Antwort bekommen. Die Reibung alleine ist auch kein Indikator dafür ob die Dichtung dichten wird, z.B. wenn der Ring nicht gleichmäßig eingearbeitet wurde. Es ist erhöhte Reibung da, trotzdem läuft die Welle leicht, was spricht dagegen es so zu belassen?

    Udo

    Neu

    Hallo Mertes,

    wenn Du den Einbau unbedingt absolut korrekt technisch durchführen möchtest musst Du dies komplett durchführen.
    Die Aussage, das Rebmoment hat sich verdreifacht macht keinen Sinn, wenn Du das Ausgangsmoment nicht kennst.
    Du müsstest das Ausgangsmoment absolut messen (variiert durch Zustand der KW, der Lager, des verwendeten Öls, wann wurde geölt, ect)
    Dann musst Du das Reibmoment mit Borgmannring messen, und aus der Differenz, der maximalen Umlaufgeschwindigket und der KW-Masse die Temperaturerhöhung berechnen. Davon ziehst Du den vorraussichtlichen termischen Verlust durch das Motorenöl ab und bekommst die termische Belastung der Kurbelwelle. Ist die im zulässigen Bereich und gleichzeitig der Anpressdruck ausreichend um dem hydraulischen Druck des Öls zu widerstehen hast Du korrekt gearbeitet.

    Da dieser nicht unerhebliche Aufwand für den Einbau einer Kurbelwelle nicht zweckmäßig ist, wird er einmal bei der Entwicklung betrieben und aufgrund dieser Daten wird eine Einbauempfehlung im Werkstatthandbuch erstellt.
    Ich möchte hier nicht behaupten daß diese Empfehlungen immer die besten sind, aber aufgrund Deiner Messmethode wird es auch einem erfahrenen Meister schwerfallen Deine Montage zu beurteilen, auch wenn ich vermute daß Deine Kurbelwelle leicht genug läuft.
    Gruß Bernhard

    Neu

    Hallo Udo,

    ich sag halt so:
    Eine überholte, gut geölte Kurbelwelle mit neuen Lagerschalen und Rundläufen und Spielen innerhalb der Toleranz hat ein (Gleit-) Reibmoment mit relativ wenig Streuung.
    Durch den Papierstreifentrick ist der Borgmannring auch über dem Umfang gleichmäßig verpresst worden. Jetzt soll mir jemand, der die Motoren schon häufiger erfolgreich nach der traditionellen Methode zusammen gebaut hat, sagen wie gefühlt das Reibmoment mit dem Ring höher wird.

    Das Reibmoment mit Borgmannring ist 1,5 mal, 2 mal oder 3 mal höher als ohne BR?

    Neu

    Hallo Mertes,
    wenn das Reibmoment beim Drehen und nicht beim Losdrehen ein Vielfaches ist, dann ist das für mein Verständnis zu viel.
    Reibung erzeugt Wärme und die Gefahr das die Kurbelwelle blau anläuft mit Folgeschäden ist groß.
    Das Einwalken vermisse ich in deiner Einbauweise. Durch Druck kann sich die Dichtschnur nicht setzen.
    Nach dem Walken steht sie nicht mehr über den Nutrand. Dann muß es Ok sein.
    Laß dein Werk von einem erfahrenen Motormonteur begutachten!

    gruß Dirk

    Neu

    genau Dirk,

    nachher diskutieren wir noch über Viskösität des Öls, dem Lagerspiel und der Temperatur der Bauteile und ich habe keine Chips im Hause. Ich würde auch sagen, da soll mal ein Fachmann ran.

    Gruß

    Volker
    gelöscht!